Neue Normalität

Als wir von Deutschland weg flogen, wurden in den Nachrichten von den ersten Fällen mit Corona-Virus in einer Firma im Süden Münchens berichtet. Seither verfolgen wir die Entwicklung, lesen täglich lange im Internet, telefonieren mit Familie und Freunden in Deutschland. Sogar die Tagesschau sehen wir uns nun an. Erst schien alles weit weg, aber es war bald klar, dass auch die USA nicht von dem Virus verschont bleiben würde und auch Alaska nicht, so abseits im hohen Norden.

Cordova hat das erste Mal den Winter über für sieben Monate lang keine Fährverbindung mehr, Waren werden mit privaten Fähren oder einem Frachter von Seattle hierher gebracht. Oder aber mit dem Flugzeug. Und mit diesem reisen auch viele Bewohner hin und her, nach Anchorage für Besorgungen, oder in den Urlaub nach Florida. Vor gut drei Wochen wurde dann der erste Kranke in Anchorage gemeldet, es war der Pilot einer Frachtmaschine, und damit kamen so langsam auch in Alaska die Vorbereitungen in Gang, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Die Kinder hatten gerade alle eine Woche Frühlingsferien, diese wurden erst einmal bis Ende März verlängert (inzwischen sollen sie bis Ende April daheim bleiben). Das Wetter war prächtig, der Schilift im Ort lief noch und alle waren guter Dinge. Ein paar Tage später verfügte der Gouverneur von Alaska die Schließung aller öffentlichen Einrichtungen, also wurde auch das Kulturzentrum bis auf Weiteres zu gemacht, aber auch das städtische Schwimmbad (wo ich mit meiner Dauerkarte morgens gerne zum Schwimmen ging) und auch das Bidarki-Sportzentrum (mit der Sauna, wo Andreas die Dauerkarte hat) sind nun geschlossen. Damit fällt auch unsere Duschmöglichkeit weg. Die Marina besitzt zwar auch Duschen, aber da kosten 3 Minuten heißes Wasser 6,00 USD!

Restaurants und Bars mussten nun auch zumachen und auch einige Geschäfte haben freiwillig geschlossen, so z.B. für Schiffszubehör, Handys, der wunderbare große Handarbeitsladen. Sie machen nur auf Anruf auf, wenn man etwas dringend benötigt.

„Social distancing“ ist die Devise, man solle mindestens 2 Meter Abstand voneinander halten.

In den Supermärkten laufen die Angestellten mit Handschuhen und Desinfektionsmittel herum und an der Kasse steht man sowieso meistens alleine, auch mit Hamsterkäufen halten sich die Menschen hier im Wesentlichen zurück. Einer der drei Supermärkte bittet um Verständnis, dass man pro Familie und Einkauf nur eine begrenzte Menge an Reis, Toilettenpapier und Desinfektionsmittel abgeben könne.

Da in Anchorage die Regale der Supermärkte leer gekauft wurden, schrieb der Kolumnist der wöchentlich erscheinenden Zeitung „The Cordova Times“ dazu: „We all need huge rolls of respect, caring, sacrifice, hope, patience … and humor. “ (Wir brauchen alle große Rollen an Respekt, Zuwendung, Verzicht, Hoffnung, Geduld … und Humor).

Auch die sieben Kirchen des Ortes (Anglikanisch, Katholisch, Orthodox, zweierlei Baptisten…) werden nun an den Sonntagen vorerst keine Gottesdienste abhalten, alle gehen online.

Große Sorgen bereitet den Menschen hier an den Küsten Alaskas, wie es in dieser Saison mit dem Fischfang sein wird, unglaublich viele Arbeitsplätze und Einkommen hängen davon ab. Allein in Dutch Harbor, landeten 2018 rund 346.000 Tonnen Fisch im Wert von 182 Millionen USD. Damit steht dieser Hafen auf Platz 1 innerhalb der USA und das schon seit 22 Jahren. Alaska liefert 58% des gesamten Fangs der USA an Fisch und Meerestieren und 97% des gesamten Lachses.

Sehr viele Fischerboote würden sich normalerweise in diesen Wochen fertig zum Auslaufen machen. Bald wäre der berühmte Königslachs aus dem Copper River Delta dran, der in großen Mengen direkt frisch an die Restaurants in den USA verschickt wird. Da diese aber alle geschlossen sind, fallen sie als Kunden weg. Anfang Mai sollten dann schon viele Gast- bzw. Saisonarbeiter hier sein, um in den „Canneries“, den Konservenfabriken, zu arbeiten. Sie würden aber zusätzliche Ansteckungen mitbringen, denn selbst wenn sie erst einmal für zwei Wochen in Quarantäne gingen, so würden sie wahrscheinlich, wie sonst auch, zu viert in den kleinen Unterkünften wohnen, wo sich das Virus weiter ausbreiten könnte. Aber ohne diese Arbeitskräfte kann der angelieferte Fisch nicht verarbeitet werden. Noch ist nicht klar, wie es weiter gehen wird, ob es sich für die Boote überhaupt lohnt, in dieser Saison raus zu fahren.

Das soziale Leben verlangsamt sich zusehends, auch zum geliebten und beliebten Potluck treffen wir uns nicht mehr. Und auch hier im Hafen überlegen wir täglich, wie oft wir noch zusammen sitzen sollen, auch wenn wir wenige bis gar keine Kontakte zu anderen Leuten im Dorf haben.

Wir wollen in den nächsten Wochen, sobald wir mit allen Reparaturen und Wartungen auf der Arbeitsliste fertig sind und das Wetter besser wird, in den Prince William Sound raus fahren, um der ersten Welle der Infektion zu entgehen und auch um im Zweifelsfall nicht selbst den Virus zu verbreiten.

Für uns ausländische Segler im Hafen stellt sich aber nun zusätzlich ein ganz neues ungewohntes Problem. Wir beide hier auf der Muktuk haben bei der Rückreise aus Deutschland bzw. der Einreise am Flughafen ein Visum für sechs Monate bekommen. Das geht noch bis Mitte August. Bis dahin wollten wir so langsam in Richtung Kanada segeln, um dann im Herbst in Seattle zu sein. Nun aber haben Kanada und die USA ihre Grenzen dicht gemacht, die Häfen für Kreuzfahrtschiffe und eben auch für Segler sind in Kanada geschlossen. Das bedeutet für uns, dass wir momentan nicht nach Kanada segeln können, aber auch wenn wir ausreisen, nicht wieder in die USA einreisen können, weiter südlich die Westküste runter. Hawaii ist auch dicht, ebenso wie die Marschall-Inseln. Kurz gesagt: wir müssten raus, könnten aber nirgendwo wieder rein – auch wenn wir länger als zwei Wochen auf See wären und somit die nötige Quarantäne hinter uns gebracht hätten.

Die Behörden haben auf telefonische Nachfrage auch noch keine Lösung für unser Problem, sie sind von den Ereignissen genau so überrascht worden, wie wir auch und halten sich vorläufig strikt an die Vorgaben, niemanden rein zu lassen. Wir hoffen nun alle, dass es bald Ausnahmegenehmigungen gibt, so dass wir unsere Visa verlängern können. Wir könnten in unser Heimatland zurück, noch. Aber unser Schiff ist momentan unser Zuhause und das wollen und können wir nicht auf eine so lange unbestimmte Zeit alleine lassen.

Wie schnell sich alles um uns herum innerhalb kürzester Zeit verändert hat und wie normal uns inzwischen alle Vorsichtsmaßnahmen erscheinen. An Tagen wie diesen wünschen wir allen vor allem eines: Gesundheit!

Cordova – Alltag im Hafen

So einen schönen Winter hatten wir schon lange nicht mehr! So viele sonnige Tage hintereinander und wenn der Himmel dazwischen mal grau wurde, dann nur, um noch mehr Schnee zu bringen!

Die Sonne steht zwar noch nicht sehr steil am Himmel, aber wir haben nun deutlich längere Tage. Anfang März wurde dann noch die Sommerzeit („daylight saving time“) eingeführt, nun haben wir vom Aufwachen bis gegen acht Uhr am Abend Tageslicht. Die Sonne mag es an manchen Abenden besonders spektakulär und färbt die umliegenden schneebedeckten Berge in unterschiedliche gelb-orange-rosa Töne. Und da die Dämmerung hier oben so viel länger andauert, kann man dann den Bergen zusehen, wie sie in dem diffusen Licht nach Sonnenuntergang in einem kalten Weiß-Blau scheinen.

Und nicht nur die Schifahrer hatten was von dem vielen Schnee. Ein langer schöner Wanderweg führt vom Dorfrand den Berg hoch bis zur Skipiste mit wunderbaren Aussichten auf die umliegenden Bergketten und das Delta des Copper Rivers. Ich bin den Weg ein paar Mal hoch gegangen und jedes Mal war es, als ob ich durch einen Märchenwald ginge, still und verzaubert.

Frost und Schnee zusammen konnten aber auch über Nacht für Überraschungen sorgen, etwa wenn morgens die Luke zum Niedergang nicht mehr auf ging. Wie gut, dass wir unsere Stegnachbarn anrufen konnten und Jan es mit Hilfe der Schneeschaufel und heißem Wasser schaffte, uns zu befreien.

Cordova hat vor ein paar Jahren ein Kulturzentrum gebaut mit Museum, öffentlicher Bibliothek, Räumen für Tagungen und einem großen Saal, der für Konzerte, Theater und Kino gleichermaßen geeignet ist. Der örtliche Kulturverein „Cordova Arts and Pageants“ von viel ehrenamtlicher Arbeit getragen, kümmert sich um das Programm: Künstler auf Alaska-Tournee, die auch nach Cordova eingeladen werden und hier ein enthusiastisches Publikum vorfinden. Zwei bis drei Spielfilme oder Dokumentarfilme werden pro Monat von dem Freundesverein der Bibliothek ausgesucht und gezeigt. Ganz anders als in München, wo einen das kulturelle Angebot schnell erschlagen kann, freut man sich hier auf jede Aufführung und geht dann auch hin.

Außerdem wurden wir von unseren Freunden hier im Hafen zu ihren Freunden im Ort mitgenommen, wo jeden Montagabend ein „Potluck“ stattfindet. Alle sind herzlich willkommen, jeder bringt etwas zum Essen mit und schnell entfalten sich spannende Gespräche. So sehen wir nicht nur fast alle unsere Stegnachbarn wieder sondern lernen auch viele neue Leute aus dem Dorf kennen. Eine sehr schöne Sache und ein großes Dankeschön an das junge Paar, das sein gemütliches großes Wohnzimmer dafür zur Verfügung stellt.

Weil unser kleiner Ofen ein großer Holzfresser ist, mussten wir dann doch noch einmal in den Wald. Zwar hätten wir uns für den großen Holzschlagplatz des staatlichen Forstamtes beim Flughafen anmelden können, da liegen riesige Holzstämme unter dem Schnee. Aber die sind viel zu dick für unsere kleine Kettensäge. Also fragten wir beim Forstamt nach, ob wir uns aus dem Wald einen kleineren Baum aussuchen dürften. Ja, das wäre möglich, solange es sich um Totholz handelt. Vorsichtshalber fragten wir auch noch bei der Stadt nach und bei den Anwohnern des Waldes, um nicht in privatem Besitz zu wildern. Und so stiefelten wir dann an einem sonnigen Tag los, mit Kettensäge, Axt und Eimern den Berg hoch – Andreas sägte und zusammen schleppten wir die Stücke aus dem Wald raus an den Straßenrand.

Als wir fertig waren – und auch so richtig „fertig“ von der ungewohnten Arbeit – und uns noch überlegten, wie wir diese Menge Holz am besten mit einem Schlitten oder unserem Wägelchen in wie vielen Fuhren runter zum Hafen bringen könnten, kam der Nachbar vorbei und bot uns an, das Holz auf seinen Pickup zu laden. Großartig! Ein paar Stunden später trafen wir uns und er brachte Verstärkung mit: seine kleine Tochter, noch keine fünf Jahre alt, bestand darauf, mit zu helfen. Tauschte ihre Ballerina gegen Gummistiefel ein und schleppte fröhlich singend ein Stück nach dem anderen zum Auto. Als sie nach einem größeren Stück griff und ich meinte, „Vorsicht, das ist doch viel zu schwer für dich“, sagte ihr Vater nur: Ach, wir würden uns wundern, was sie für ihr Alter schon alles schleppen könne. Starke Frauen in Alaska!

Von der spontanen und unkomplizierten Hilfsbereitschaft und dem Zusammenhalt der Menschen hier sind wir jedes Mal überwältigt.

Überhaupt mussten wir uns in den ersten Tage an ein anderes Tempo und einen anderen Ton gewöhnen: dass aus den vorbeifahrenden Autos jeder und jede mit Handzeichen grüßt, dass so ziemlich jedes Auto anhält, wenn man die Straße überqueren will, dass die Autos die großen Pfützen umfahren, wenn ein Fußgänger am Straßenrand entlang geht, dass man überall freundlich angesprochen wird und gefragt wird, wie es einem geht und was es doch für ein schöner Tag heute sei und wie schnell man ins Gespräch kommt mit den Menschen hier. Keine Hektik, nirgends!

Das Problem mit der Tropfsteinhöhle, sprich: dem nassen Mittelschiff, wo das Kondenswasser von den Wänden floss, ging vom täglichen Abwischen und Abwarten leider nicht weg. Den Heizlüfter täglich anzufeuern, das hätte unsere Stromrechnung in die Höhe getrieben. Also kam der Zufall uns zu Hilfe, denn in einem Baucontainer unweit des Hafens fand Andreas ein paar Sperrholzplatten, betätigte sich für ein paar Stunden lang als Schreiner und baute eine Türe. Die ist nun eine ungleich bessere Barriere als der Vorhang. Nun entweicht keine warme Luft mehr und es bleibt auch um einiges wärmer da, wo wir heizen und uns überwiegend aufhalten, in der Messe und in der Küche!

In dem Baucontainer lag noch viel mehr Holz, trocken und hervorragend als Brennholz geeignet. Nun musste Andreas erneut am Steg Sägen und Holz hacken. Aber jetzt sollten wir wirklich genug haben.

Cordova ist ein hervorragender Platz, um den Winter zu verbringen!

Winter

Eine Überraschung war es ja eigentlich nicht. Aber es ist wirklich ganz schön kalt in Alaska. Vor allem im Winter. Und wenn man die Schnapsidee hat, diesen ausgerechnet auf einem Segelboot zu verbringen. Eine Schneeschaufel haben wir uns schon zugelegt, denn die Marina räumt nur den Hauptsteg. Den Zugang zur Muktuk müssen wir uns selbst freischaufeln – wenn die Luke vom Niedergang nicht über Nacht zugefroren ist und wir überhaupt hinauskommen.

Unser Holzofen heizt die Messe und Achterkabine problemlos auf durchschnittlich 25 Grad auf. Aber wie das mit dem Durchschnitt so ist: unter der Decke sind es gut 30 Grad, am Fußboden eher 15. Auch der kleine Ventilator hilft nicht wirklich. Jetzt haben wir den Boden mit ein paar Pappkartons und einem Stück Teppich isoliert, das macht es ein wenig gemütlicher. Mit unserem Holzvorrat (immerhin hatten wir das ganze Cockpit voll) werden wir aber nicht weit kommen. Wir verfeuern zur Zeit einen großen Eimer voll jeden Tag, mit diesem Verbrauch werden wir Ende März neues Holz brauchen.

Insofern sind wir ganz froh, dass die neue Diesel-Warmluftheizung jetzt eingebaut ist und funktioniert – so haben wir eine Alternative und können Holz sparen. Mit beiden Heizsystemen könne wir aber nur den hinteren Teil des Schiffes heizen. Die vordere Hälfte, also Mittelkabine, Lotsenkoje, Werkstatt und Toilette sind kalt. Was von der Temperatur her kein großes Problem wäre, aber die warme und feuchte Luft von hinten findet ihren Weg nach vorne und kondensiert dort an Wänden, Decken, Luken und in den Schapps. Und wir reden hier nicht von einem leichten Feuchtigkeitsfilm, sondern von tropfnassem Holz, rinnendem Wasser und Pfützen.

Der Muktuk wird also einiges abverlangt vom Winter. Uns geht es aber ausgezeichnet, wir genießen die Gesellschaft unserer Segelfreunde (fünf Segelboote überwintern hier), arbeiten unsere Reparaturliste ab, nehmen am kulturellen Leben des Ortes teil und hatten als besonderen Leckerbissen schon drei wunderschöne Skitage: bei gutem Wetter öffnet ab 13h Amerikas älteste Liftanlage, ein Ein-Personen-Sessellift mit schönen und abwechslungsreichen Abfahrtsmöglichkeiten, ein paar präparierten Pisten und jeder Menge Tiefschnee. Und grandioser Aussicht!

Brennholz

Unsere Hauptheizung an Bord ist ein kleiner gusseiserner Ofen für Holz. Eingeweiht haben wir ihn schon in Steward Island auf der anderen Seite der Welt, und immer mal wieder hat er unsere Muktuk schön behaglich gemacht, wenn es draußen ungemütlich wurde, aber in Alaska wird er sich zum ersten Mal richtig beweisen müssen.

Wenn wir im Februar an Bord zurückkehren, liegen noch drei Monate mit regelmäßigen Minustemperaturen vor uns. Holz muss ja eine Weile lagern und trocknen, bevor es richtig brennt. Die empfohlenen drei Jahre Lagerzeit schaffen wir zwar nicht, aber ein paar Monate helfen auch schon. So haben wir in den letzten Wochen in Alaska rund einen Ster Holz gesägt, gespalten und gestapelt, um zumindest für den Anfang gerüstet zu sein. Der Stauraum an Bord ist ja beschränkt: jetzt ist unser Cockpit zum Holzlager umfunktioniert, und unter Deck lagern auch noch ein paar Eimer voll.

Wie lange diese Holzmenge reichen wird, wissen wir noch nicht. Wir werden unseren Ofen sicherlich mit weiteren Maßnahmen unterstützen müssen: Zusätzliche Plastikscheiben vor alle Luken haben wir schon angebracht, so dass sie nun zweilagig verglast sind. Den Boden – zumindest in der Messe – werden wir noch mit Styropor, Schaumstoff und/oder Teppich belegen, um keine kalten Füße zu bekommen. Ein Gebläse wird den Austausch zwischen der warmen Luft unter der Kabinendecke und dem kalten Bodenbereich fördern. Und schließlich werden wir unsere defekte Webasto Diesel-Warmluftheizung ersetzen, um auf die Schnelle Wärme zu haben, bis der Holzofen in Gang kommt.

Wie sich das ganze Konzept bewähren wird, werden wir sehen. Aber wir sind ja nicht auf See, wo wir alles mit Bordmitteln lösen müssen – in Cordova gibt es zusätzliches Material und Ausrüstung zu kaufen. Und ein paar weitere Bäume stehen notfalls auch noch herum.

Muktuk vor Gletscher

Ende August 2019

Je weiter östlich wir reisten, umso höher wurden die Gebirge und die ersten Gletscher tauchten auf. Wie gewaltig diese Eismassen sind, konnten wir aus der Ferne nur erahnen. Also entschlossen wir uns, noch einen Tag länger beim Nationalpark der Kenai Fjords zu verbringen, um einen Gletscher aus der Nähe anzuschauen.

Bei der Einfahrt mussten wir ein bisschen aufpassen, denn in den Karten war die Rede von Sandbänken, die sich jedes Jahr ein wenig verschieben. Ein paar Gezeiten-Wellen brachten uns noch zum Schaukeln und dann waren wir im stillen Wasser der langgezogenen Bucht. Die Gletscher waren noch weit weg und trotzdem wurde die Luft immer kälter, denn die Morgensonne musste sich erst noch aus den Schleierwolken heraus kämpfen. Nur mit dicker Jacke und Mütze war es am Vorschiff beim Ausguck und Fotografieren gemütlich.

Die Gletscher boten beim Näherkommen immer neue Blickwinkel und jeder war spektakulärer als der vorherige. Kleine Eisschollen in bizarr anmutenden Formen trieben träge an uns vorbei, auf manchen hatten sich Möwen einen Ruheplatz gesucht. So stellt man sich eigentlich Alaska vor…

Wir umrundeten eine der Inseln in der Bucht und fuhren zum Northwestern Glacier, ganz hinten in der NW-Ecke. Dort kommen von zwei Seiten die festgepressten Schneemassen herunter, es knackste ab und zu bedrohlich, und manchmal fielen auch ein paar Kubikmeter Eis polternd und donnernd die Felsenwände herunter. Auch wenn es, mit Abstand betrachtet, gar nicht so große Stücke waren, so machte es doch einen ziemlichen Lärm.

In einer respektvollen Entfernung vom Gletscher hielten wir an und ließen uns treiben, denn zum Ankern war es viel zu tief. Mit einer Tasse Kaffee saßen wir in der Sonne, schauten uns diese wunderbare Märchenwelt aus Eis an und fühlten uns mal wieder wie Glückspilze.

Und überlegten, warum eigentlich der festgepresste Schnee an den Abbruchkanten so blau schimmert. Eisdichte, Lichtbrechung? Am liebsten wären wir den ganzen Tag da sitzen geblieben.

Nach ein paar Stunden fuhren wir die Bucht ab auf der Suche nach einem sicheren Ankerplatz, was gar nicht so einfach war, denn fast überall ging es ganz nah am Ufer von 3-4 Meter gleich auf 20 Meter runter. Schließlich fanden wir eine Stelle vor einem Fluss in der Nordostecke der Bucht und im Schlick hielt der Anker auch einigermaßen.

Auch hier war ein Gletscher, ganz weit oben stürzte ein großer Wasserfall die Felsen herunter und weiter unten, wo sich noch ein paar Eismassen türmten, sahen wir eine Art offene Kathedrale aus gepresstem Schnee. Mit dem Dinghi fuhren wir an Land und wanderten den Gletscherfluss hoch, auch hier waren immer wieder Gruppen von Lachsen unterwegs, selbst in den kleinsten Nebenrinnsalen versuchten sie, über Stock und Stein höher zu kommen. (Später erfuhren wir in Gesprächen mit Fischern, dass es in diesem Sommer in Alaska viel zu heiß war und viel zu wenig geregnet hatte, dass die Flüsse normalerweise viel mehr Wasser führen. So hatten viele Lachse nicht nur Probleme, zu ihren angestammten Laichgründen hoch zu schwimmen, es war ihnen auch viel zu heiß, was ihnen zusätzlichen Stress bereitete.)

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg in Richtung Prince William Sound und konnten bei der Ausfahrt noch einmal die großen und kleinen Gletscher in der Morgensonne bewundern. Wir tuckerten an der Ostseite der Granit-Insel vorbei. An der Ostseite dieser Insel befindet sich eine winzig kleine geschützte Bucht mit einer spektakulären Einfahrt, wo wir zwei Tage zuvor geankert hatten. Hätten uns unsere Freunde nicht darauf hingewiesen und von der Bucht vorgeschwärmt, hätten wir uns da vermutlich gar nicht erst rein gewagt. Mitten in der Einfahrt sind Felsen, die sichere Passage ist links davon und so eng, dass meinem Skipper und mir ganz mulmig wurde. Aber wir wagten es, Andreas manövrierte uns durch die enge Stelle, wo sich auch noch der Schwell der See brach und zusätzlich für Nervenkitzel sorgte.

Einfahrt in die Bucht
Geschafft!

Bären satt

Wie schon erwähnt, versuchen wir normalerweise den Bären aus dem Weg zu gehen. Selbst auf einem harmlosen Ausflug zum Blaubeersammeln sehen wir aus wie Bruce Willis. Nein, nicht im Unterhemd, aber bis an die Zähne bewaffnet: Im Gürtel auf einer Seite das Bärenspray, auf der anderen Seite eine 120 dB Drucklufthupe, griffbereit eine Seenotsignalfackel, die praktischerweise auch gegen Wölfe helfen soll. Hier in Geographic Harbor ist aber alles ganz anders. Hierher kommt man extra, um die Braunbären zu sehen, und zwar möglichst von nahem.

Dabei sind wir nicht alleine. Anders als in den anderen Buchten, liegen gleich drei weitere Schiffe vor Anker und haben Schaulustige mit Landungsbooten an die Flussmündung gebracht. Ein Wasserflugzeug bring dreimal am Tag weitere Kleingruppen. Am ersten Tag lassen wir uns auf der großen vorgelagerten Sandbank trockenfallen und beobachten die Bären von Bord aus. Wenn wir zusehen, wie dicht die Bären um die Besucher am Fluss herumlaufen, wird uns ganz anders. Zu unserer Muktuk kommt allerdings kein Bär gelaufen, was auch ganz gut ist, denn wir erfahren später, dass Bären gerne mal an Schlauchbooten knabbern, irgendwas im PVC zieht sie wohl an, und wir hatten unser Dinghy hinterhergezogen und mit trockenfallen lassen. Aus dem Cockpit heraus sehen wir zwei Jungbären beim Balgen zu, bis das Auftauchen eines großen Alpha-Männchens sie in die Flucht schlägt.

Nachdem der erste Tag komplett verregnet war, beschließen wir, am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein noch einmal hinzufahren. Diesmal bietet uns eines der Ausflugsboote an, uns zusammen mit ihrer Gruppe an Land zu fahren, wenn wir uns nicht trockenfallen lassen, sondern außerhalb ankern. So stört die Muktuk auch nicht auf den Fotos, die ja schließlich Bären in der Wildnis zeigen sollen.
Gerne nehmen wir das Angebot an und hocken mit rund zehn weiteren Personen unter sachkundiger Anleitung an der Flussmündung. Alle außer uns sitzen auf vom Veranstalter zur Verfügung gestellten blauen Eimern. Die Logik dabei: hockend erscheinen wir kleiner, so fühlen sich die Bären nicht bedroht und kommen näher. Und wenn sie zu nahe kommen, kann die Gruppe geschlossen aufstehen, damit größer wirken und die Bären zurückscheuchen.

Hier in Geographic Harbor sind die Bären die Nähe der Touristen gewöhnt. Sie sind weniger scheu als woanders, und auch nicht aggressiv. Lachs gibt es im Überfluss, also haben die Bären keinen Hunger. Gut für uns. Und so sehen wir in der Tat Bären aus großer Nähe, bis auf 50 Meter kommen sie an uns heran, fischen im Fluss nach Lachsen und verspeisen sie vor unseren Augen, als hätten sie dieses klassische Fotomotiv extra geprobt. Wir sind begeistert.

Von Sand Point bis Kodiak

05. – 15. August 2019

Sand Point ist ein winzig kleines Dorf, hat einen großen, gut geschützten Fischereihafen und vor allem eine Tankstelle mit dem günstigsten Sprit weit und breit. Während wir unsere Runden drehten und warteten, dass der Tank-Steg frei wird, kam ein Fischer mit seinem großen Beiboot vorbei, brachte uns ein paar Filets vom frisch gefangenen Lachs und war schon wieder weg, bevor wir ihm als Dankeschön ein paar selbst gebackene Kekse hinüber reichen konnten.
Auch ist der Fischfang allgegenwärtig – gleich neben der Tankstelle liegen die Hallen der Fischfabrik, dahinter die Wohnhäuser der Gastarbeiter, daneben ihre Kantine und ein kleiner Supermarkt. Und als ganz heißer Tipp vom Tankwart, eine Wäscherei, wo man die Wäsche einfach abgeben und sie nach zwei Stunden fertig zusammen gelegt abholen kann. Wunderbar, ein Luxus, denn seit Japan hatte es nur Handwäsche am Fluss gegeben. Der Rest des Dorfes verteilt sich auf eine Hauptstraße mit zwei Restaurants, einem Café, zwei bis drei Behörden und einem weiteren Supermarkt, wo für Obst, Gemüse und andere Lebensmittel erschreckend, aber verständlich hohe Preise. Denn alles muss mit der Fähre oder dem Flugzeug hierher gebracht werden.
Nachdem wir alles erledigt und unsere Freundin zum Flughafen gebracht hatten, segelten wir gleich weiter, in einem durch mit zwei Nachtfahrten bis zur südöstlichen Ecke der Insel Kodiak.
Und nun legte auch der Supersommer los – ein sonniger Tag nach dem anderen, vier Wochen lang. Wir konnten es kaum glauben, jeden Tag morgens wieder strahlend blauen Himmel zu sehen und wärmende Sonne, hatten wir doch ganz andere Geschichten von den Seglern in Alaska gehört und gelesen.
Wenn wir nun an Land gingen, wurde es immer mühsamer, die Berge hoch zu kraxeln. Denn das Gras und die Pflanzen bildeten mit ihren Wurzeln einen sehr holprigen und unsicheren Boden. Bäume tauchten vereinzelt auf und je weiter wir die Buchten ostwärts abfuhren umso höher wurde das Buschwerk.

Wir lagen in Buchten mit den schönen Namen wie Three Saints Bay (Bucht der drei Heiligen), wo es angeblich die erste russische Siedlung auf Kodiak gegeben hat oder Japanese Bay, wo wohl mal ein Japaner gewohnt haben soll. Allesamt unglaublich malerisch, umgeben von hohen schroffen Felsen, andere wiederum mit runden sanften Hängen, an denen auch schon mal ein Reh graste.

Den berühmten Kodiak-Bären sahen wir zunächst nicht, nur hin und wieder Spuren im Sand, die beeindruckend groß erschienen.

Japanese Bay

Wo springt der nächste Lachs?

Krebse, ein Festmahl!

Trockenfallen – der Rumpf musste mal dringend geschrubbt werden …

denn es hingen viel zu viele Muscheln dran.

Die Wege hier Bild sind nicht von Menschenhand gestaltet: das waren Rehe und Bären

Von Dutch Harbor bis Sand Point

21. Juli – 05. August 2019

Zusammen mit Astrid verbrachten wir zwei sehr schöne und entspannte Wochen in vielen malerischen Ankerbuchten: in der Chernovsky Bay, wo wir für ein paar Tage die anderen Muktuks noch einmal trafen, dann in der Ravens Bay, in Captains Harbor und zuletzt auf Unga Island. Alaska beschenkte uns reich in diesem Sommer: Bären, Wale, Papageientaucher, dazu Heidelbeeren, Salmonberries und viele viele Blumen.

Hier ein paar Impressionen:

Beim Angeln am Fluss: Forellen und Saiblinge


Captains Bay

Sooo groooß sind wir, wenn der Bär kommt!


Versteinertes Holz


Und so sieht es im Inneren aus, wie Kohle


Lagerfeuer in der letzten Bucht auf Unga Island

Dutch Harbor – Unalaska

18.-21. Juli 2019

Wir erreichten die große und weitläufige Bucht Unalaska und die gleichnamige Insel erst spät am Abend. Licht hatten wir zwar noch, aber es reichte gerade so, um einen geschützten Ankerplatz vor dem Dorf zu suchen. Die gut betonnte aber auch sehr enge Fahrrinne zum Hafen wollten wir lieber bei Tageslicht passieren. Also funkten wir den Hafenmeister an, meldeten ihm unsere Ankunft und baten ihn, den Immigration Officer, den Beamten der Einwanderungsbehörde, zu informieren.
Am nächsten Morgen bei schönstem Sonnenschein tuckerten wir rein, an großen Fischerbooten vorbei, der Fischfabrik, auf deren Dach mindestens zehn Weißkopfadler saßen, auf einem der Seezeichen hatte ein Adler sich sogar einen Horst eingerichtet. Und bei Tageslicht sah auch alles ganz einfach aus. Der lange Steg des „Small Boat Harbor“ war dicht besetzt mit Segelbooten, einige schon im Päckchen und so suchten auch wir uns ein Boot aus, bei dem wir längsseits gehen könnten, fragten, ob es gestattet sei. Ja, sicher!
Der Immigration Officer wartete schon am Steg auf uns und nach nur 10 min waren alle Papiere ausgefüllt. Später kam er mit den gestempelten Pässen zurück, dem „cruising permit“, der Segelerlaubnis für ein ganzes Jahr und einem Stadtplan von Dutch Harbor. Alles ganz unkompliziert und einfach.
Dutch Harbor ist der östlichste Hafen und zugleich einer der größten Fischereihäfen von Alaska, wo die Fischerboote ankommen und ihren Fang abliefern, Lachs und Heilbutt im Sommer, Königskrabben im Winter. Canneries, Fisch verarbeitende Fabriken, stehen gleich hinter dem Hafen, daneben Wohnblocks für die vielen Saison- bzw. Gastarbeiter, die die Fische und Krabben verarbeiten und für den Versand fertig machen.

Nachdem uns unsere Bootsnachbarn, eine sehr nette Familie mit drei Kindern aus Kanada, mit allen möglichen nützlichen Informationen über den Ort versorgt hatten, stiefelten wir gleich los. Wir brauchten Proviant, frische Sachen für die nächsten Wochen und vor allem: Gas.
Gleich sieben Segelboote lagen beisammen am Steg, vier davon kamen – uns eingeschlossen – direkt aus Japan. Eine einmalige Gelegenheit, so dass für den Abend ein Potluck mit Grillen organisiert wurde. Neben unseren Nachbarn gab es noch ein weiteres Boot mit vier Kindern, sie kannten sich alle noch von Neuseeland und freuten sich über das Wiedersehen hier. An diesem Abend wurde viel erzählt und auch gesungen, einer der Segler hatte eine Ukulele dabei und ganz viele Liederhefte. Und da es im Juli immer noch fast bis Mitternacht hell ist, standen wir noch lange beisammen.

Am nächsten Vormittag landete unsere Freundin Astrid aus Berlin in Dutch Harbor. Mit ihr liefen wir noch ein paar Runden durch den Ort: das große Kaufhaus „Alaska Ship Supply“ hatte an diesem Samstag für den ganzen Ort freies Mittagessen bereit. Nachdem wir aus diesem Laden zum zweiten Mal das Handwägelchen voller Proviant gefüllt hatten, stellten auch wir uns für einen Burger an.

Danach besuchten wir das Museum der Aleuten (Museum of the Aleutians) und kamen gerade rechtzeitig zu ein Vortrag von Archäologen und Biologen, die von einem russisch-amerikanisches Ausgrabungsprojekt auf den umliegenden Inseln berichteten. Es war spannend zu hören, mit welchen Methoden die Erdschichten analysiert werden können und welche Rückschlüsse man aus den einzelnen Funden schließen kann über die Besiedlung der Inseln in den vergangenen Jahrhunderten, den Bestand an Vögeln und Tieren usw. Das Museum selbst ist nicht besonders groß, hat aber eine Fülle an Exponaten und Geschichten über die Aleuten und ihre Ureinwohner zu bieten.
Später wanderten wir noch zum alten Ortsteil hinüber, die eigentliche Wohnsiedlung, die auch Unalaska (Wikipedia Unalaska)  heißt, wo eine schöne alte orthodoxe Kirche mit einem alten Friedhof steht, hier befindet sich auch die Bibliothek, die Grundschule sowie die High School. Abends gingen wir noch in die Kneipe am Hafen auf Fish & Chips und ein Bier – einmal noch Stadtluft schnuppern, denn am nächsten Tag wollten wir los, mit Astrid viele neue Ankerbuchten erkunden.

Tierwelt


Ich hoffe mein letzter Blogeintrag hat nicht den Eindruck erweckt, wir seien an Alaskas Tierwelt hauptsächlich kulinarisch interessiert. Einige würden gar nicht in unsere Kochtöpfe hineinpassen, z.B. wären wir mit einem Buckelwal komplett überfordert. Der kann also zu Dutzenden unbesorgt um unsere Muktuk herum schwimmen, erst durch seinen Blas auf sich aufmerksam machen, dann seinen Rücken und schließlich beim Abtauchen, wenn man Glück hat – seine Fluke zeigen.

Bei einer anderen Tierart haben umgekehrt eher wir die Sorge, auf ihrem Speiseplan zu landen: die Braunbären. Der Kodiak-Bär, eng verwandt mit dem Grizzly und nach dem Eisbären der zweitgrößte Bär überhaupt, ist hier weit verbreitet. Wenn man an Land geht, sieht man fast überall Anzeichen dieser Tiere. Fußspuren in Sand oder Schlamm, ausgetretene Pfade im Gebüsch, abgefressene Beerensträucher, halbe zerrissene Lachse, Kothaufen.

Die Bären selbst haben wir auch schon ein paar Mal gesehen. Zuerst weit weg in einer Lagune vom Dinghy aus, und dann mehrfach von einem wunderschönen Ankerplatz aus, wo wir einem recht jungen Bären auf seinem abendlichen Spaziergang an Strand und Bach zusehen konnten. Er versuchte auch, Lachse zu fangen, stellte sich aber nicht so geschickt an und hatte keinen Erfolg. Na ja, er ist ja noch jung und wird das schon noch lernen. Wir sind fasziniert von der Bewegung der Bären: sie sind zwar tapsig, aber auf majestätische Weise.

Bei Landgängen im Bärengebiet beachten wir die empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen. Wir sind mit einem Bärenspray ausgerüstet, ein Gewehr haben wir (noch) nicht. Die Bären sind normalerweise nicht aggressiv (Mütter mit Jungen ausgenommen) und derzeit dank der reichlich vorhandenen Lachse auch nicht hungrig. Sie gehen den Menschen also eher aus dem Weg, man muss nur darauf achten, sie nicht zu überraschen. Statt ständig laut zu reden oder zu singen, haben wir unseren Bluetooth Lautsprecher und Musik vom Handy dabei. Schon seltsam, beim Spazierengehen lautstark Bruce Springsteen, Anna Netrebko oder Christina Aguilera zu hören, aber wenn’s die Bären vertreibt…

Dann wäre noch der Weißkopfseeadler (bald eagle) zu erwähnen. Er ist hier allerdings in solchen Massen vertreten und oft auch ziemlich zerzaust, so dass er oft nicht ganz so majestätisch wirkt wie auf dem Wappen der Vereinigten Staaten.

Dafür sieht der Papageientaucher immer perfekt frisiert aus. Er hat zwar etwas Mühe beim Abheben und ist ein wenig kamerascheu, aber wir freuen uns immer, wenn wir einen dieser bunten Gesellen sehen.

Auf einigen Inseln gibt es Wildpopulationen von Pferden und Rindern, Überreste einer versuchten Bewirtschaftung, die sich dann doch als unrentabel erwies. Und gegen aufgebrachte Bullen, die uns als Eindringling auf ihrem Grundstück betrachten, hilft auch kein Bärenspray – da ist Abstand halten angesagt.

Meist ist es aber ganz friedlich. Robben stecken ihre Köpfe aus dem Wasser, um uns beim Fischen zuzusehen. Abends läuft ein Füchslein am Strand herum. Am frühen Morgen steht ein Reh am Hang. Wir sind in Alaska, wo man das Gefühl hat, dass der Mensch nur zu Gast ist.