Brennholz

Unsere Hauptheizung an Bord ist ein kleiner gusseiserner Ofen für Holz. Eingeweiht haben wir ihn schon in Steward Island auf der anderen Seite der Welt, und immer mal wieder hat er unsere Muktuk schön behaglich gemacht, wenn es draußen ungemütlich wurde, aber in Alaska wird er sich zum ersten Mal richtig beweisen müssen.

Wenn wir im Februar an Bord zurückkehren, liegen noch drei Monate mit regelmäßigen Minustemperaturen vor uns. Holz muss ja eine Weile lagern und trocknen, bevor es richtig brennt. Die empfohlenen drei Jahre Lagerzeit schaffen wir zwar nicht, aber ein paar Monate helfen auch schon. So haben wir in den letzten Wochen in Alaska rund einen Ster Holz gesägt, gespalten und gestapelt, um zumindest für den Anfang gerüstet zu sein. Der Stauraum an Bord ist ja beschränkt: jetzt ist unser Cockpit zum Holzlager umfunktioniert, und unter Deck lagern auch noch ein paar Eimer voll.

Wie lange diese Holzmenge reichen wird, wissen wir noch nicht. Wir werden unseren Ofen sicherlich mit weiteren Maßnahmen unterstützen müssen: Zusätzliche Plastikscheiben vor alle Luken haben wir schon angebracht, so dass sie nun zweilagig verglast sind. Den Boden – zumindest in der Messe – werden wir noch mit Styropor, Schaumstoff und/oder Teppich belegen, um keine kalten Füße zu bekommen. Ein Gebläse wird den Austausch zwischen der warmen Luft unter der Kabinendecke und dem kalten Bodenbereich fördern. Und schließlich werden wir unsere defekte Webasto Diesel-Warmluftheizung ersetzen, um auf die Schnelle Wärme zu haben, bis der Holzofen in Gang kommt.

Wie sich das ganze Konzept bewähren wird, werden wir sehen. Aber wir sind ja nicht auf See, wo wir alles mit Bordmitteln lösen müssen – in Cordova gibt es zusätzliches Material und Ausrüstung zu kaufen. Und ein paar weitere Bäume stehen notfalls auch noch herum.

Muktuk vor Gletscher

Ende August 2019

Je weiter östlich wir reisten, umso höher wurden die Gebirge und die ersten Gletscher tauchten auf. Wie gewaltig diese Eismassen sind, konnten wir aus der Ferne nur erahnen. Also entschlossen wir uns, noch einen Tag länger beim Nationalpark der Kenai Fjords zu verbringen, um einen Gletscher aus der Nähe anzuschauen.

Bei der Einfahrt mussten wir ein bisschen aufpassen, denn in den Karten war die Rede von Sandbänken, die sich jedes Jahr ein wenig verschieben. Ein paar Gezeiten-Wellen brachten uns noch zum Schaukeln und dann waren wir im stillen Wasser der langgezogenen Bucht. Die Gletscher waren noch weit weg und trotzdem wurde die Luft immer kälter, denn die Morgensonne musste sich erst noch aus den Schleierwolken heraus kämpfen. Nur mit dicker Jacke und Mütze war es am Vorschiff beim Ausguck und Fotografieren gemütlich.

Die Gletscher boten beim Näherkommen immer neue Blickwinkel und jeder war spektakulärer als der vorherige. Kleine Eisschollen in bizarr anmutenden Formen trieben träge an uns vorbei, auf manchen hatten sich Möwen einen Ruheplatz gesucht. So stellt man sich eigentlich Alaska vor…

Wir umrundeten eine der Inseln in der Bucht und fuhren zum Northwestern Glacier, ganz hinten in der NW-Ecke. Dort kommen von zwei Seiten die festgepressten Schneemassen herunter, es knackste ab und zu bedrohlich, und manchmal fielen auch ein paar Kubikmeter Eis polternd und donnernd die Felsenwände herunter. Auch wenn es, mit Abstand betrachtet, gar nicht so große Stücke waren, so machte es doch einen ziemlichen Lärm.

In einer respektvollen Entfernung vom Gletscher hielten wir an und ließen uns treiben, denn zum Ankern war es viel zu tief. Mit einer Tasse Kaffee saßen wir in der Sonne, schauten uns diese wunderbare Märchenwelt aus Eis an und fühlten uns mal wieder wie Glückspilze.

Und überlegten, warum eigentlich der festgepresste Schnee an den Abbruchkanten so blau schimmert. Eisdichte, Lichtbrechung? Am liebsten wären wir den ganzen Tag da sitzen geblieben.

Nach ein paar Stunden fuhren wir die Bucht ab auf der Suche nach einem sicheren Ankerplatz, was gar nicht so einfach war, denn fast überall ging es ganz nah am Ufer von 3-4 Meter gleich auf 20 Meter runter. Schließlich fanden wir eine Stelle vor einem Fluss in der Nordostecke der Bucht und im Schlick hielt der Anker auch einigermaßen.

Auch hier war ein Gletscher, ganz weit oben stürzte ein großer Wasserfall die Felsen herunter und weiter unten, wo sich noch ein paar Eismassen türmten, sahen wir eine Art offene Kathedrale aus gepresstem Schnee. Mit dem Dinghi fuhren wir an Land und wanderten den Gletscherfluss hoch, auch hier waren immer wieder Gruppen von Lachsen unterwegs, selbst in den kleinsten Nebenrinnsalen versuchten sie, über Stock und Stein höher zu kommen. (Später erfuhren wir in Gesprächen mit Fischern, dass es in diesem Sommer in Alaska viel zu heiß war und viel zu wenig geregnet hatte, dass die Flüsse normalerweise viel mehr Wasser führen. So hatten viele Lachse nicht nur Probleme, zu ihren angestammten Laichgründen hoch zu schwimmen, es war ihnen auch viel zu heiß, was ihnen zusätzlichen Stress bereitete.)

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg in Richtung Prince William Sound und konnten bei der Ausfahrt noch einmal die großen und kleinen Gletscher in der Morgensonne bewundern. Wir tuckerten an der Ostseite der Granit-Insel vorbei. An der Ostseite dieser Insel befindet sich eine winzig kleine geschützte Bucht mit einer spektakulären Einfahrt, wo wir zwei Tage zuvor geankert hatten. Hätten uns unsere Freunde nicht darauf hingewiesen und von der Bucht vorgeschwärmt, hätten wir uns da vermutlich gar nicht erst rein gewagt. Mitten in der Einfahrt sind Felsen, die sichere Passage ist links davon und so eng, dass meinem Skipper und mir ganz mulmig wurde. Aber wir wagten es, Andreas manövrierte uns durch die enge Stelle, wo sich auch noch der Schwell der See brach und zusätzlich für Nervenkitzel sorgte.

Einfahrt in die Bucht
Geschafft!

Bären satt

Wie schon erwähnt, versuchen wir normalerweise den Bären aus dem Weg zu gehen. Selbst auf einem harmlosen Ausflug zum Blaubeersammeln sehen wir aus wie Bruce Willis. Nein, nicht im Unterhemd, aber bis an die Zähne bewaffnet: Im Gürtel auf einer Seite das Bärenspray, auf der anderen Seite eine 120 dB Drucklufthupe, griffbereit eine Seenotsignalfackel, die praktischerweise auch gegen Wölfe helfen soll. Hier in Geographic Harbor ist aber alles ganz anders. Hierher kommt man extra, um die Braunbären zu sehen, und zwar möglichst von nahem.

Dabei sind wir nicht alleine. Anders als in den anderen Buchten, liegen gleich drei weitere Schiffe vor Anker und haben Schaulustige mit Landungsbooten an die Flussmündung gebracht. Ein Wasserflugzeug bring dreimal am Tag weitere Kleingruppen. Am ersten Tag lassen wir uns auf der großen vorgelagerten Sandbank trockenfallen und beobachten die Bären von Bord aus. Wenn wir zusehen, wie dicht die Bären um die Besucher am Fluss herumlaufen, wird uns ganz anders. Zu unserer Muktuk kommt allerdings kein Bär gelaufen, was auch ganz gut ist, denn wir erfahren später, dass Bären gerne mal an Schlauchbooten knabbern, irgendwas im PVC zieht sie wohl an, und wir hatten unser Dinghy hinterhergezogen und mit trockenfallen lassen. Aus dem Cockpit heraus sehen wir zwei Jungbären beim Balgen zu, bis das Auftauchen eines großen Alpha-Männchens sie in die Flucht schlägt.

Nachdem der erste Tag komplett verregnet war, beschließen wir, am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein noch einmal hinzufahren. Diesmal bietet uns eines der Ausflugsboote an, uns zusammen mit ihrer Gruppe an Land zu fahren, wenn wir uns nicht trockenfallen lassen, sondern außerhalb ankern. So stört die Muktuk auch nicht auf den Fotos, die ja schließlich Bären in der Wildnis zeigen sollen.
Gerne nehmen wir das Angebot an und hocken mit rund zehn weiteren Personen unter sachkundiger Anleitung an der Flussmündung. Alle außer uns sitzen auf vom Veranstalter zur Verfügung gestellten blauen Eimern. Die Logik dabei: hockend erscheinen wir kleiner, so fühlen sich die Bären nicht bedroht und kommen näher. Und wenn sie zu nahe kommen, kann die Gruppe geschlossen aufstehen, damit größer wirken und die Bären zurückscheuchen.

Hier in Geographic Harbor sind die Bären die Nähe der Touristen gewöhnt. Sie sind weniger scheu als woanders, und auch nicht aggressiv. Lachs gibt es im Überfluss, also haben die Bären keinen Hunger. Gut für uns. Und so sehen wir in der Tat Bären aus großer Nähe, bis auf 50 Meter kommen sie an uns heran, fischen im Fluss nach Lachsen und verspeisen sie vor unseren Augen, als hätten sie dieses klassische Fotomotiv extra geprobt. Wir sind begeistert.

Von Sand Point bis Kodiak

05. – 15. August 2019

Sand Point ist ein winzig kleines Dorf, hat einen großen, gut geschützten Fischereihafen und vor allem eine Tankstelle mit dem günstigsten Sprit weit und breit. Während wir unsere Runden drehten und warteten, dass der Tank-Steg frei wird, kam ein Fischer mit seinem großen Beiboot vorbei, brachte uns ein paar Filets vom frisch gefangenen Lachs und war schon wieder weg, bevor wir ihm als Dankeschön ein paar selbst gebackene Kekse hinüber reichen konnten.
Auch ist der Fischfang allgegenwärtig – gleich neben der Tankstelle liegen die Hallen der Fischfabrik, dahinter die Wohnhäuser der Gastarbeiter, daneben ihre Kantine und ein kleiner Supermarkt. Und als ganz heißer Tipp vom Tankwart, eine Wäscherei, wo man die Wäsche einfach abgeben und sie nach zwei Stunden fertig zusammen gelegt abholen kann. Wunderbar, ein Luxus, denn seit Japan hatte es nur Handwäsche am Fluss gegeben. Der Rest des Dorfes verteilt sich auf eine Hauptstraße mit zwei Restaurants, einem Café, zwei bis drei Behörden und einem weiteren Supermarkt, wo für Obst, Gemüse und andere Lebensmittel erschreckend, aber verständlich hohe Preise. Denn alles muss mit der Fähre oder dem Flugzeug hierher gebracht werden.
Nachdem wir alles erledigt und unsere Freundin zum Flughafen gebracht hatten, segelten wir gleich weiter, in einem durch mit zwei Nachtfahrten bis zur südöstlichen Ecke der Insel Kodiak.
Und nun legte auch der Supersommer los – ein sonniger Tag nach dem anderen, vier Wochen lang. Wir konnten es kaum glauben, jeden Tag morgens wieder strahlend blauen Himmel zu sehen und wärmende Sonne, hatten wir doch ganz andere Geschichten von den Seglern in Alaska gehört und gelesen.
Wenn wir nun an Land gingen, wurde es immer mühsamer, die Berge hoch zu kraxeln. Denn das Gras und die Pflanzen bildeten mit ihren Wurzeln einen sehr holprigen und unsicheren Boden. Bäume tauchten vereinzelt auf und je weiter wir die Buchten ostwärts abfuhren umso höher wurde das Buschwerk.

Wir lagen in Buchten mit den schönen Namen wie Three Saints Bay (Bucht der drei Heiligen), wo es angeblich die erste russische Siedlung auf Kodiak gegeben hat oder Japanese Bay, wo wohl mal ein Japaner gewohnt haben soll. Allesamt unglaublich malerisch, umgeben von hohen schroffen Felsen, andere wiederum mit runden sanften Hängen, an denen auch schon mal ein Reh graste.

Den berühmten Kodiak-Bären sahen wir zunächst nicht, nur hin und wieder Spuren im Sand, die beeindruckend groß erschienen.

Japanese Bay

Wo springt der nächste Lachs?

Krebse, ein Festmahl!

Trockenfallen – der Rumpf musste mal dringend geschrubbt werden …

denn es hingen viel zu viele Muscheln dran.

Die Wege hier Bild sind nicht von Menschenhand gestaltet: das waren Rehe und Bären

Von Dutch Harbor bis Sand Point

21. Juli – 05. August 2019

Zusammen mit Astrid verbrachten wir zwei sehr schöne und entspannte Wochen in vielen malerischen Ankerbuchten: in der Chernovsky Bay, wo wir für ein paar Tage die anderen Muktuks noch einmal trafen, dann in der Ravens Bay, in Captains Harbor und zuletzt auf Unga Island. Alaska beschenkte uns reich in diesem Sommer: Bären, Wale, Papageientaucher, dazu Heidelbeeren, Salmonberries und viele viele Blumen.

Hier ein paar Impressionen:

Beim Angeln am Fluss: Forellen und Saiblinge


Captains Bay

Sooo groooß sind wir, wenn der Bär kommt!


Versteinertes Holz


Und so sieht es im Inneren aus, wie Kohle


Lagerfeuer in der letzten Bucht auf Unga Island

Dutch Harbor – Unalaska

18.-21. Juli 2019

Wir erreichten die große und weitläufige Bucht Unalaska und die gleichnamige Insel erst spät am Abend. Licht hatten wir zwar noch, aber es reichte gerade so, um einen geschützten Ankerplatz vor dem Dorf zu suchen. Die gut betonnte aber auch sehr enge Fahrrinne zum Hafen wollten wir lieber bei Tageslicht passieren. Also funkten wir den Hafenmeister an, meldeten ihm unsere Ankunft und baten ihn, den Immigration Officer, den Beamten der Einwanderungsbehörde, zu informieren.
Am nächsten Morgen bei schönstem Sonnenschein tuckerten wir rein, an großen Fischerbooten vorbei, der Fischfabrik, auf deren Dach mindestens zehn Weißkopfadler saßen, auf einem der Seezeichen hatte ein Adler sich sogar einen Horst eingerichtet. Und bei Tageslicht sah auch alles ganz einfach aus. Der lange Steg des „Small Boat Harbor“ war dicht besetzt mit Segelbooten, einige schon im Päckchen und so suchten auch wir uns ein Boot aus, bei dem wir längsseits gehen könnten, fragten, ob es gestattet sei. Ja, sicher!
Der Immigration Officer wartete schon am Steg auf uns und nach nur 10 min waren alle Papiere ausgefüllt. Später kam er mit den gestempelten Pässen zurück, dem „cruising permit“, der Segelerlaubnis für ein ganzes Jahr und einem Stadtplan von Dutch Harbor. Alles ganz unkompliziert und einfach.
Dutch Harbor ist der östlichste Hafen und zugleich einer der größten Fischereihäfen von Alaska, wo die Fischerboote ankommen und ihren Fang abliefern, Lachs und Heilbutt im Sommer, Königskrabben im Winter. Canneries, Fisch verarbeitende Fabriken, stehen gleich hinter dem Hafen, daneben Wohnblocks für die vielen Saison- bzw. Gastarbeiter, die die Fische und Krabben verarbeiten und für den Versand fertig machen.

Nachdem uns unsere Bootsnachbarn, eine sehr nette Familie mit drei Kindern aus Kanada, mit allen möglichen nützlichen Informationen über den Ort versorgt hatten, stiefelten wir gleich los. Wir brauchten Proviant, frische Sachen für die nächsten Wochen und vor allem: Gas.
Gleich sieben Segelboote lagen beisammen am Steg, vier davon kamen – uns eingeschlossen – direkt aus Japan. Eine einmalige Gelegenheit, so dass für den Abend ein Potluck mit Grillen organisiert wurde. Neben unseren Nachbarn gab es noch ein weiteres Boot mit vier Kindern, sie kannten sich alle noch von Neuseeland und freuten sich über das Wiedersehen hier. An diesem Abend wurde viel erzählt und auch gesungen, einer der Segler hatte eine Ukulele dabei und ganz viele Liederhefte. Und da es im Juli immer noch fast bis Mitternacht hell ist, standen wir noch lange beisammen.

Am nächsten Vormittag landete unsere Freundin Astrid aus Berlin in Dutch Harbor. Mit ihr liefen wir noch ein paar Runden durch den Ort: das große Kaufhaus „Alaska Ship Supply“ hatte an diesem Samstag für den ganzen Ort freies Mittagessen bereit. Nachdem wir aus diesem Laden zum zweiten Mal das Handwägelchen voller Proviant gefüllt hatten, stellten auch wir uns für einen Burger an.

Danach besuchten wir das Museum der Aleuten (Museum of the Aleutians) und kamen gerade rechtzeitig zu ein Vortrag von Archäologen und Biologen, die von einem russisch-amerikanisches Ausgrabungsprojekt auf den umliegenden Inseln berichteten. Es war spannend zu hören, mit welchen Methoden die Erdschichten analysiert werden können und welche Rückschlüsse man aus den einzelnen Funden schließen kann über die Besiedlung der Inseln in den vergangenen Jahrhunderten, den Bestand an Vögeln und Tieren usw. Das Museum selbst ist nicht besonders groß, hat aber eine Fülle an Exponaten und Geschichten über die Aleuten und ihre Ureinwohner zu bieten.
Später wanderten wir noch zum alten Ortsteil hinüber, die eigentliche Wohnsiedlung, die auch Unalaska (Wikipedia Unalaska)  heißt, wo eine schöne alte orthodoxe Kirche mit einem alten Friedhof steht, hier befindet sich auch die Bibliothek, die Grundschule sowie die High School. Abends gingen wir noch in die Kneipe am Hafen auf Fish & Chips und ein Bier – einmal noch Stadtluft schnuppern, denn am nächsten Tag wollten wir los, mit Astrid viele neue Ankerbuchten erkunden.

Tierwelt


Ich hoffe mein letzter Blogeintrag hat nicht den Eindruck erweckt, wir seien an Alaskas Tierwelt hauptsächlich kulinarisch interessiert. Einige würden gar nicht in unsere Kochtöpfe hineinpassen, z.B. wären wir mit einem Buckelwal komplett überfordert. Der kann also zu Dutzenden unbesorgt um unsere Muktuk herum schwimmen, erst durch seinen Blas auf sich aufmerksam machen, dann seinen Rücken und schließlich beim Abtauchen, wenn man Glück hat – seine Fluke zeigen.

Bei einer anderen Tierart haben umgekehrt eher wir die Sorge, auf ihrem Speiseplan zu landen: die Braunbären. Der Kodiak-Bär, eng verwandt mit dem Grizzly und nach dem Eisbären der zweitgrößte Bär überhaupt, ist hier weit verbreitet. Wenn man an Land geht, sieht man fast überall Anzeichen dieser Tiere. Fußspuren in Sand oder Schlamm, ausgetretene Pfade im Gebüsch, abgefressene Beerensträucher, halbe zerrissene Lachse, Kothaufen.

Die Bären selbst haben wir auch schon ein paar Mal gesehen. Zuerst weit weg in einer Lagune vom Dinghy aus, und dann mehrfach von einem wunderschönen Ankerplatz aus, wo wir einem recht jungen Bären auf seinem abendlichen Spaziergang an Strand und Bach zusehen konnten. Er versuchte auch, Lachse zu fangen, stellte sich aber nicht so geschickt an und hatte keinen Erfolg. Na ja, er ist ja noch jung und wird das schon noch lernen. Wir sind fasziniert von der Bewegung der Bären: sie sind zwar tapsig, aber auf majestätische Weise.

Bei Landgängen im Bärengebiet beachten wir die empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen. Wir sind mit einem Bärenspray ausgerüstet, ein Gewehr haben wir (noch) nicht. Die Bären sind normalerweise nicht aggressiv (Mütter mit Jungen ausgenommen) und derzeit dank der reichlich vorhandenen Lachse auch nicht hungrig. Sie gehen den Menschen also eher aus dem Weg, man muss nur darauf achten, sie nicht zu überraschen. Statt ständig laut zu reden oder zu singen, haben wir unseren Bluetooth Lautsprecher und Musik vom Handy dabei. Schon seltsam, beim Spazierengehen lautstark Bruce Springsteen, Anna Netrebko oder Christina Aguilera zu hören, aber wenn’s die Bären vertreibt…

Dann wäre noch der Weißkopfseeadler (bald eagle) zu erwähnen. Er ist hier allerdings in solchen Massen vertreten und oft auch ziemlich zerzaust, so dass er oft nicht ganz so majestätisch wirkt wie auf dem Wappen der Vereinigten Staaten.

Dafür sieht der Papageientaucher immer perfekt frisiert aus. Er hat zwar etwas Mühe beim Abheben und ist ein wenig kamerascheu, aber wir freuen uns immer, wenn wir einen dieser bunten Gesellen sehen.

Auf einigen Inseln gibt es Wildpopulationen von Pferden und Rindern, Überreste einer versuchten Bewirtschaftung, die sich dann doch als unrentabel erwies. Und gegen aufgebrachte Bullen, die uns als Eindringling auf ihrem Grundstück betrachten, hilft auch kein Bärenspray – da ist Abstand halten angesagt.

Meist ist es aber ganz friedlich. Robben stecken ihre Köpfe aus dem Wasser, um uns beim Fischen zuzusehen. Abends läuft ein Füchslein am Strand herum. Am frühen Morgen steht ein Reh am Hang. Wir sind in Alaska, wo man das Gefühl hat, dass der Mensch nur zu Gast ist.

Schwelgen im Überfluss

Vielleicht liegt es ja an uns. Oder ist es Zufall? Jedenfalls: nach Japan als dem Land der höchsten kulinarischen Raffinesse haben wir mit Alaska das Land des kulinarischen Überflusses erreicht. Oder um es mit Karl zu sagen: Du hast hier ein Problem – von allem zu viel.

Das geht natürlich mit dem Fisch los. Wirft man an der richtigen Stelle den richtigen Haken ins Wasser (Danke, Jan), dauert es kaum eine Minute bis zum ersten Anbiss. Rockfisch mit seinem zarten Fleisch, saftiger Dorsch oder eine Flunder. Und an so einem Dorsch isst man schon mal locker fünf Mal. Die größten Überfluss-Probleme hat man beim Heilbutt, denn der kann gerne seine zehn oder fünfzehn Kilo auf die Waage bringen. In den Bächen schwimmen Forellen und Arctic Char, eine Art Saibling.

Und natürlich der Lachs, Alaskas schwimmendes Wahrzeichen. Zur Zeit tummeln sich die Lachse vor jeder Bachmündung und wollen ins Süßwasser hinaufschwimmen, um dort zu laichen. Noch im Salzwasser wartend, stehen die Fische so dicht, dass man sie mit einem durchs Wasser gezogenen Haken am Körper oder an einer Flosse erwischen und an Land oder ins Beiboot ziehen kann. Keine sportliche Herausforderung, aber gebraten, geräuchert oder gebeizt einfach köstlich. Meist fangen wir Pink Salmon, die „besseren“ Sorten (Red oder Silver Salmon) bekommen wir von Fischern geschenkt, die zur Zeit die streng regulierten Fangzeiten nutzen.


Aber nicht nur Fisch ist im Überfluss vorhanden. Ein befreundeter Jäger war sehr erfolgreich bei der Jagd auf Karibu – prompt bekamen wir so viel köstliches Wildfleisch, dass wir es selbst mit Hilfe unseres Besuchs kaum aufessen konnten. In einer Bucht lernen wir einen Schafzüchter kennen und helfen ihm beim Zerlegen und Verpacken einiger Lämmer. Prompt landen etliche Kilo Koteletts in unserem Kühlschrank – wer soll das alles essen?

Für die Beilagen und den Salat wachsen so allerlei Wildkräuter. Noah und Alexandra bringen uns bei, was man alles sammeln und essen kann. Vom Scurvy Gras, das früher Arktis-Expeditionen vor dem Skorbut bewahrt hat und sowohl als Gemüse als auch zum Pesto taugt, über diverse Salatpflanzen, wilder Senf, essbare Blumen bis hin zu diversen Algensorten, die frisch, getrocknet oder sauer eingelegt verzehrt werden können.

Ist nach all den Hauptmahlzeiten vielleicht noch ein Nachtisch gefällig? Die Inseln sind voll von Salmonberries, am besten frisch vom Strauch, aber es wachsen so viele davon, dass wir sie für Kuchen und Kompott sammeln. Blaubeersträucher und wilde Erdbeeren runden die Dessertpalette ab. Verhungern werden wir vorläufig wohl nicht.


Adak und die Aleuten

Schaut man sich die Landkarte an, bilden die Inseln der Aleuten (Wikipedia) eine langgezogen Kette, die durch die Kamchatka-Halbinsel mit Japan verbunden ist. Geologisch gesehen gehören sie zum großen Pazifischen Feuerring und bei gutem Wetter kann man von Adak schon mal einen der wunderschönen schneebedeckten Vulkanberge deutlich erkennen.

Es war einer der wenigen sonnigen Tage auf den Aleuten – den wir allerdings teilweise damit verbrachten, die Bilgen nun komplett vom Salzwasser zu befreien und mit Süßwasser nachzuspülen. Zwischendurch aber konnten wir in der Sonne an Deck sitzen und mit unseren Nachbarn gemütlich Kaffee trinken.

Auf Adak befand sich bis etwa 1995 eine große Siedlung des US-Militärs mit oberirdischen Wohnblocks und Reihenhäusern, einem Krankenhaus, Grundschule und Highschool und weitläufigen unterirdischen Anlagen. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde alles aufgelassen und die Militärs mit ihren Familien abgezogen. In den Häusern sind die Möbel noch alle da, Autos stehen in den Einfahrten und verrosten, alles verrottet und verfällt nur sehr langsam.

Ein paar Menschen leben schon noch da, vorwiegend Aleuten oder Unangan/Unangas, wie sie sich selbst nennen. (Aleuten_Wikipedia) Hier und auf einigen anderen Inseln der Aleuten lebten sie viele Jahrhunderte lang ungestört und hatten sich auf bewundernswerte Weise an diese unwirtliche Umgebung angepasst. Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts Pelzjäger aus Russland feststellten, dass auf den Inseln ein Vermögen gemacht werden konnte mit der Jagd auf Seerobben und Seeottern. Dass es den Einheimischen dabei nicht gut erging, zeigt die Geschichte jedes Mal wieder… Und als die USA in den Zweiten Weltkrieg eintraten und eine Invasion Japans befürchteten, beschlossen sie, die kleinen Dörfer mit teilweise nur um die 100 und weniger Einwohnern zu evakuieren. Sie wurden zwangsumgesiedelt, die Dörfer samt ihren Kirchen dem Erdboden gleich gemacht, um den Japanern nichts als verbrannte Erde zu hinterlassen. Eine heute für uns nicht mehr ganz nachvollziehbare Handlung. Nach dem Ende des Krieges wurden nur noch wenige der Dörfer wieder aufgebaut.

Zwei Tage blieben wir in Adak, füllten Diesel und Wasser wieder auf und nutzen das gute Wetter, um mit den beiden Booten ostwärts von Bucht zu Bucht zu ziehen, eine schöner und malerischer als die andere. Diese Gegend nahm uns sofort für sich ein, war es die Einsamkeit, das auf den ersten Blick Karge und Wilde? Die explodierende Natur im Sommer, wo die Tage ewig lang sind und alles in einer rasenden Geschwindigkeit wächst? Der Fischreichtum, die vielen wilden Tiere, die wir täglich beobachten konnten? Neblige Tage wechselten sich ab mit weniger nebligen, für die Ausflüge an Land brauchten wir Regenhose und Gummistiefel, an unserem ersten Grillplatz hatten wir Mühe, das nasse Holz zum Brennen zu bringen, nur ab und zu hatten wir Sonne und trotzdem fanden wir es schön! Ab und zu begegneten wir einem Fischerboot und noch seltener einem der anderen Segelboote, die auch in dieser Saison den Weg von Japan hierher gefunden hatten.

Nach diesen wundervollen Tagen war für uns klar, dass wir versuchen wollen, in der nächsten Saison noch einmal diese Inseln von Unalaska über Umnak, Atka und Adak zu besuchen.

Irgendwann mussten wir aber doch wieder in die Zivilisation zurück, zumindest für ein paar Tage und das war Dutch Harbor, wo wir uns offiziell im Lande anmelden wollen.

Kräuter und Salatpflanzen

Von Japan nach Alaska

Shimoda 7. – 12. Juni 2019

Japan hat uns dann doch nicht so schnell losgelassen…

Eigentlich wollten wir von Wakayama am Ausgang der großen Bucht von Osaka nach Alaska starten, doch wie so oft änderte sich die Wettervorhersage: Ein Tief, das mehr Wind mit sich brachte, als ursprünglich angekündigt und Wellen von bis zu 4m. Das wollten wir uns für die ersten Tage auf See nicht unbedingt zumuten. Also beschlossen wir, erst einmal die Küste entlang Richtung Norden zu fahren, das Tief in einer sicheren Bucht vorbei ziehen zu lassen und auf ein besseres Wetterfenster zu warten. Unsere Segelfreunde von der Rally versorgten uns noch mit vielen guten Tipps für Marinas und Häfen entlang der Küste bis zur Bucht von Tokyo.

Zwei Tage später erreichten wir am frühen Morgen Shimoda. Beim empfohlenen Steg an der Flussmündung war die Wassertiefe für die Muktuk nicht ausreichend, so dass wir zum gegenüberliegenden Fischereihafen fuhren. Während wir dort anlegten, halfen uns zwei Männer mit den Leinen. Der eine ein Fischer vom Boot nebenan und der andere, Sato San, der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft, er kam gerade mit dem Auto zur Arbeit angefahren. Auf unsere vorsichtige Frage, ob wir ein paar Tage hier bleiben könnten, nickte er begeistert. Ja, sicher! Und der Fischer ebenfalls und zeigte uns unaufgefordert, wo der große Wasserschlauch sei. Und für Diesel würden sie die Tankstelle für uns anrufen und den Tankwagen bestellen, alles kein Problem! Sato San bat uns, mit ihm einen Grüntee im gegenüberliegenden Lokal der Fischereigenossenschaft zu trinken. Ob wir denn japanisches Essen und ob wir rohen Fisch mögen würden? Und lud uns für später zum Mittagessen ein, zu einem kleinen Sushi-Restaurant im Ort. Selbst nach mehr als drei Monaten in Japan waren wir immer noch und auch dieses Mal überwältigt von der Gastfreundschaft und der Fürsorge der Menschen. Da kommt so ein fremdes Boot, belegt Liegeplatz im Fischereihafen und wird dafür so fürstlich begrüßt und willkommen geheißen!

Shimoda ist ein gemütlicher Ort, mit einem schönen historischen Ortskern, hier wurde ein wichtiges Kapitel der japanischen Geschichte geschrieben: Commodore Matthew Perry kam mit vier Schiffen aus den USA und erzwang im Jahr 1854 die Öffnung des Hafens von Shimoda und damit auch die Öffnung Japans nach seiner 200jährigen Isolation. Die vier „schwarzen Schiffe“ sind heute in Skulpturen und in den schmiedeeisernen Verzierungen der Brücken verewigt und in der Bucht fährt ein Nachbau eines dieser Schiffe Touristen spazieren. Auch wird jährlich eine Woche lang das Fest der amerikanisch-japanischen Freundschaft gefeiert.

Nach ein paar Tagen sieht das Wetter wieder besser aus. Die Beamten vom Zoll kommen zu uns an Bord für die nötigen Papiere, und unsere Muktuk wird zollrechtlich wieder in den Status eines ausländischen Bootes versetzt. Die Einwanderungsbehörde befindet sich allerdings in Shizuoka, gut drei Stunden mit dem Zug entfernt und da müssen wir persönlich hinfahren, um den nötigen Ausreisestempel in den Pass zu bekommen. So fühlen wir uns noch einmal wie Touristen, die Zugstrecke ist landschaftlich sehr schön, sie führt erst an der Küste entlang und später auch am berühmten Berg Fuji. Der ist aber an diesem Tag komplett in den Wolken versteckt. Wir setzen ihn daher einfach auf unsere Liste der Gründe, weshalb wir unbedingt noch einmal nach Japan zurück wollen…

Dieser Abschied in Raten fällt uns nicht leicht: ein letztes Mal essen gehen; noch einmal in den Onsen; ein letztes Mal im Supermarkt einkaufen und überlegen, ob wir wirklich genügend Thunfischflocken, getrocknete Algen, Miso und Sojasauce an Bord haben. Aber nun steht die Abreise fest, wir müssen und wir wollen los.

Überfahrt 12. Juni – 4. Juli 2019

Den ersten Tag und die erste Nacht auf See müssen wir noch sorgfältig Ausguck gehen, denn auch hier an diesem Küstenabschnitt Japans herrscht dichter Schiffsverkehr. Wir erreichen den Kushiro-Strom, der uns ein Stück weit nordöstlich mit schiebt. Wärme haben wir durch ihn auch noch eine ganze Weile. Dann kommt das erste Tief, das uns wie in einer Waschmaschine mehr als zwei Tage lang gut durchschüttelt. Wir wollen erst einmal soweit es geht östlich segeln, um noch länger im Warmen zu bleiben, aber das zweite Tief schiebt uns doch mehr nach Norden hoch. Die ersten Albatrosse tauchen auf. Wir schauen in unserem Buch über Meeresvögel nach und wirklich, es gibt im Nordpazifik ebenfalls ein paar Arten dieser schönen elegant über die Wellen streichenden Vögel: der Laysan- und der Schwarzfußalbatross sowie der sehr seltene Kurzschwanzalbatross. Allerdings sind sie auch sehr gefräßig und wenn endlich mal ein Fisch an der Angel hängt, muss Andreas diesen schnell einholen, bevor die Albatrosse mit ihren scharfen Schnäbeln auf ihn einhacken.

Nach und nach wird die Wassertemperatur kälter, nach zwei Wochen sind es nur noch 6 Grad Celsius und auch im Boot sinken trotz guter Isolierung die Temperaturen, wir fangen an zu frieren. Erst holen wir die Wollsocken und dicken Pullover hervor, nehmen zum Schlafen eine zusätzliche Decke, um uns aufzuwärmen. Und auch tagsüber sitzen wir dick eingepackt in der Messe und fragen uns, warum wir eigentlich in diese unwirtliche Gegend wollten, wo doch der Sommer in Japan so angenehm warm war. Leider funktioniert unsere Webasto (Heißluft-Heizung) nicht mehr. Nur wenn der Wind weg ist und wir unter Motor fahren, wird es mit der Motorheizung im Schiff kuschelig warm.

Kondenswasser bildet sich an den Fensterscheiben, so dass wir jetzt schon die Doppelverglasung einbauen: dünne Plexiglasscheiben, die wir noch in Neuseeland passend zugeschnitten besorgt hatten, bekleben wir mit Schaumstoffstreifen an den Rändern und setzen sie ein.

Gibt es eigentlich Überfahrten ohne irgend eine Reparatur? Eigentlich nicht! Am ersten Tag riecht es so komisch nach verbranntem Öl aus dem Motorraum, die Dichtung am Ventildeckel hat ein Leck. Wie gut, dass wir eine Ersatzdichtung haben. Viel mehr Sorgen macht uns allerdings die Wellendichtung. Sie war sowieso schon stark gespannt und ist nun vermutlich durch die Kälte spröder geworden, jedenfalls lässt sie bei starkem Wellengang immer wieder einen Schwall Seewasser durch. Und Wasser im Schiff will man nun wirklich nicht haben. Andreas denkt sich eine kompliziert aussehende, aber sehr wirkungsvolle Seilkonstruktion aus Gummizügen aus, mit der der Wassereintritt erst einmal gestoppt ist. Durch die Schaukelei hat sich aber das Wasser aus den Motorbilgen auf alle anderen verteilt, also müssen wir mit dem Staubsauger ran. Bilgen ausräumen, Bierflaschen, Plastikdosen und Kanister abwaschen, aussaugen. Und das alles in einem schaukelnden Boot.

Die Liste wird täglich länger: die Zahnräder aus Plastik an der Steuerung des Autopiloten sind schon wieder abgerieben und das nach gerade mal drei Monaten, am Arduino ist ein Sensorblock ausgefallen, die Ruderanlage braucht Nachschub an Hydrauliköl und so weiter.

Der von allen Seglern so gefürchtete Nebel bei den Aleuten begleitet auch uns ein paar Tage lang. Manchmal sehen wir die Sonne von oben, geradeaus aber dichte Nebelbänke. Immer wieder lassen wir das Radar laufen, über AIS sind wir für die großen Containerschiffe auch sichtbar. Aber wir sind so weit abseits der gängige Schiffsrouten, dass wir auch schon mal eine Woche lang kein einziges Schiff sehen.

Das dritte Tief gibt uns den letzten Schub Richtung Norden und nun zählen wir die Meilen runter, rechnen aus, an welchem Tag wir ankommen könnten. Nun müssen wir nur noch den Pass der Kagalaska Strait bei der Insel Adak rechtzeitig bei Stillwasser erreichen. Der Motor schiebt mit, wir schaffen es.

Langsam schält sich am Morgen die Insel Adak aus dem Nebel heraus. Grün! Haben wir jemals so ein tiefsattes Grün gesehen? Oder kommt es uns so intensiv vor, weil wir so viele Tage lang nur blaugraue Töne vor Augen hatten? Nasse dunkle Felsen, tief hängende Wolken und dazu diese grünbedeckten Hügel! Eine wilde Landschaft, gänzlich ohne Bäume und Sträucher, wir können uns nicht sattsehen daran.

Nachdem wir durch den Pass mit einer Rekordgeschwindigkeit von stellenweise bis zu 11 kn gesaust sind, hängen wir uns ans Funkgerät: „Muktuk, Muktuk, hier ist Muktuk!“ Wie lange haben wir auf diesen Funkspruch gewartet!

Unsere Freunde von der anderen Muktuk liegen schon seit ein paar Tagen im Small Boat Harbor und nehmen am Nachmittag unsere Leinen an. Wir machen längsseits bei ihnen fest und sind glücklich, die Überfahrt nach 24 Tagen auf See geschafft zu haben, vor der wir so großen Respekt hatten und die wir dann doch so gut überstanden haben. Und vor allem sind wir überglücklich, unsere Freunde nach drei Jahren endlich wieder zu sehen! Nachdem Rasmus, die Muktuk und wir alle einen Schluck Whisky auf die gute und sichere Ankunft bekommen haben, wechseln wir auf die andere Muktuk über, wo wir mit einer Flasche Sekt und einem köstlichen Gulasch verwöhnt werden. Zu unserer großen Überraschung gibt es dazu einen grünen Salat mit Kräutern und Blumen von der Wiese nebenan, herrlich! Wir haben uns so viel zu erzählen und freuen uns sehr darauf, dass wir noch ein paar Tage miteinander in dieser Gegend segeln werden.