Die Kirschblüte in Japan 2024

Ende März bis Mitte April 2024

Die Zeit der Kirschblüte, Sakura, ist seit Jahrhunderten fester Bestandteil der japanischen Kultur. Im Frühling gehört es zur normalen Wettervorhersage auch über den aktuellen Stand der Kirschblüte zu berichten. Der nationale japanische Wetterdienst hat mittlerweile sogar eine App rund um die Kirschblüte entwickelt. Hier kann man sich – nach Regionen sortiert – über den voraussichtlichen und aktuellen Stand der Blüten informieren. Zusätzlich bieten die App und auch die Webseite eine Liste der schönsten Parks an, wo man Hanami, das Kirschblütenfest, feiern kann. So ist es ein Leichtes für uns, während unserer Fahrt durch die Seto Inlandsee einige dieser Parks anzusteuern.

Die ersten Blüten in Okayama

Für die Gegend um Okayama wird der Beginn der Kirschblüte auf Ende März festgelegt. Alles ist vorbereitet: die Verkaufsbuden für Essen und Souvenirs stehen schon und der Übertragungswagen der örtlichen Fernsehstation ist auch schon da, um die ersten Blüten zu filmen. Im berühmten Korakuen Park neben der Burg sehen die Bäume aber noch sehr kahl aus, ein Kamerateam hat sich unter einem Baum aufgestellt und sucht in den Zweigen nach der allerersten Blüte. Auch am Flussufer, wo auf beiden Seiten große alte Kirschbäume stehen, sind nur vereinzelt ein paar wagemutige Blüten zu sehen, an besonders sonnigen und windgeschützten Stellen allerdings sind schon ganze Zweige aufgeblüht!

Blütenmeer auf der Insel Iwagi

Eine gute Woche später sind wir mit Freunden unterwegs und fahren zur Insel Iwagi, wo wir die Muktuk an einem Schwimmsteg parken können. Nicht weit vom Hafen entfernt befindet sich ein Tempel, in dessen Hof ein paar alte Kirschbäume stehen, deren ausladende Äste mit dicken Pflöcken abgestützt werden müssen.

In der Mitte der Insel erhebt sich der Berg Sekizen auf etwa 360 Meter über dem Meeresspiegel. Während des Zweiten Weltkrieges wurden sämtliche Kiefern der Insel gefällt, das Kiefernöl war damals eine begehrte Alternative zum knapp gewordenen Erdöl. In der Nachkriegszeit begannen die Inselbewohner mit einer Aufforstung der besonderen Art: sie pflanzten Kirschbäume auf die kahlen Hänge. Inzwischen hat sich der Brauch eingebürgert, dass Kinder zu ihrer Einschulung und alle, die ihren 60. Geburtstag feiern, einen Kirschbaum pflanzen.

Mittlerweile sind es um die 4.000 Kirschbäume, die im Frühling zu unterschiedlichen Zeiten mit ihrer Blüte beginnen. Knapp vierhundert Meter machen keinen großen Unterschied aus, könnte man meinen. Für die Kirschblüte aber schon: unten am Fuß des Berges ist die Blüte bereits in vollem Gange, während oben am Gipfel noch sehr viele rosa Knospen zu sehen sind. So kann man während der Wanderung zum Berggipfel alle Stadien der Kirschblüte genießen.


Besonders schön ist hier der Kontrast zwischen den weißen bis blassrosa Kirschblüten und den gerade aufblühenden Azaleen.


Blick von oben auf die umliegenden Inseln.

Muktuk am Steg in Iwagi

Kirschblüte in Onomichi

Onomichi ist bekannt für seine vielen Tempel, die sich inmitten eines Wohngebietes mit alten traditionellen Häusern befinden. Zusammen bilden sie ein verwirrendes Labyrinth von kleinen und kleinsten Gässchen, die an manchen Stellen so eng sind, dass man selbst mit den schmalen japanischen Autos nicht mehr durchkommt. Oberhalb dieses Stadtteils ist bis zur Spitze des Berges ein weitläufiger Park angelegt worden, wo im Frühling viele hundert Kirschbäume blühen. Wir fahren mit der Drahtseilbahn hoch und können unterwegs einige Tempel aus der Vogelperspektive betrachten.

Die Kirschbäume im Park sind inzwischen alle voll aufgeblüht und mit jedem Windstoß wirbeln Blütenblätter durch die Luft. Als Andreas mich unter einem Baum stehend fotografieren will, kommen zwei ältere Herren dazu und schütteln die Äste über meinem Kopf, so dass ich in einem Blütenregen stehe. Sie freuen sich sichtlich darüber, uns Fremden zu diesem Fotomotiv der Vergänglichkeit zu verhelfen.

Wir können uns nicht satt sehen an dieser Blütenpracht und genießen die schöne entspannte Stimmung, in die sich eine leise Wehmut schleicht.

Die Wege zwischen den Bäumen sind inzwischen über und über mit Blütenblättern bedeckt, bald ist die Kirschblüte vorbei.

Bis nächstes Jahr, vielleicht!

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