Shuri – Königspalast der Ryukyu-Dynastie

Es ist Sonntagmorgen und wir entscheiden uns, an diesem schönen sonnigen Tag eine Fahrradtour zum alten Königspalast zu unternehmen.

Die Strecke ist in der elektronischen Karte im Mobiltelefon mit 45 min angegeben, wir rechnen noch etwas mehr Zeit dazu, denn es geht stetig bergauf, an stark befahrenen Straßen entlang und auf Wegen, die eigentlich für Fußgänger gedacht sind. Die Fahrräder haben eine einfache 3-Gang-Schaltung und uns geht öfters die Puste aus, so dass wir absteigen, und die Fahrräder schieben müssen. Aber dann haben wir es geschafft und stehen vor dem Park, der die dicke Ringmauer des Palastes umgibt.

An dieser Stelle ist ein kurzer historischer Exkurs fällig: Okinawa liegt ja mehr als 500 km weit weg vom eigentlichen Japan und gehört noch gar nicht so lange dazu. Jahrhundertelang war das Inselarchipel in viele kleine Fürstentümer aufgeteilt, im Jahr 1429 schlossen sie sich unter dem Herrscher Sho Hashi zusammen und fortan bestand das Königreich Ryukyu. China war einer der wichtigsten Partner des Königreichs, Delegierte beider Reiche besuchten einander, jeder neue Herrscher von Ryukyu bat China formell um Anerkennung seiner Regentschaft. Auch in der Kunst und Kultur ist der Einfluss chinesischer Elemente sichtbar. Die ersten 250 Jahre gelten als das „Goldene Zeitalter“ von Ryukyu, wirtschaftlich ging es dem Inselreich gut, Waffen waren verboten, es waren friedliche und ruhige Jahre. Doch um 1609 wurde das Königreich Ryukyu von einem Clan aus Satsuma, dem heutigen Kagoshima in Japan, überfallen und musste die Kontrolle über seinen Handel mit China und Korea abgeben und hohe Tribute zahlen. Während der Meiji-Ära (in der sich Japan wieder der Welt öffnete) wurde das Königreich Ryukyu von Japan annektiert, 1879 das Inselreich zur Präfektur Okinawa umgewandelt. Die Einwohner von Okinawa galten lange Zeit als den Japanern kulturell unterlegen, in den Schulen wurde nur noch japanische Geschichte und die japanische Sprache gelehrt, so dass heute von der alten Sprache Ryukyus nur noch ein paar Reste in der Umgangssprache vorhanden sind.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges fand die „Schlacht von Okinawa“ statt, bei der beide Seiten, Japan und die USA, in einem von Anfang April bis Ende Juni 1945 dauernden Belagerungskrieg schrecklich hohe Verluste erlitten. Zudem starben während der Kämpfe um die 100.000 Zivilisten. Okinawa blieb bis 1952 unter US-Amerikanischer Besatzung und unter der Kontrolle des Militärs bis 1972. Danach wurde es offiziell an Japan zurück gegeben unter der Bedingung, dass die USA weiterhin eine Militärbasis in Okinawa betreiben dürfen. Rund 30.000 Militärs leben und arbeiten zurzeit hier, die Marine unterhält ein paar Kriegsschiffe und die Luftwaffe hat einen eigenen Flughafen, gleich neben dem normalen Flughafen in Naha, von dem aus täglich Kampfflugzeuge mit einem ohrenbetäubenden Lärm in den Himmel hoch steigen.

Der Königspalast mit seinen dicken Ringmauern wurde während der Schlacht um Okinawa fast vollständig zerstört und konnte erst in den 1990er Jahren wieder nach und nach aufgebaut werden, seit 2000 wurde er zu einem Weltkulturerbe erklärt und die Liste der UNESCO aufgenommen. Heute ist er eines der bekanntesten und beliebtesten Ausflugsziele von Okinawa.


Blick vom Park über die Stadt Naha

Auf dem Weg zum Palast gehen wir erst durch ein steinernes, dann durch hölzerne Tore, jedes von ihnen hat eine eigene Bedeutung, das erste Tor hat sogar die Funktion eines heiligen Schreines, bei dem man um Glück und gute Reise bitten kann. Ältere japanische Besucher stehen ehrfurchtsvoll davor und fotografieren.

Auch der Palast selber hat ein imposantes Tor mit einer großen Freitreppe davor. In traditionelle Gewänder gekleidetes Personal begrüßt die Besucher und prüft die Eintrittskarten, bevor man den großen quadratischen Innenhof betreten kann, der komplett von Gebäuden umringt ist. Das größte und beeindruckendste davon ist das „Seiden“, in dem die Könige  Hof hielten, mit einer in überwiegend roten und goldenen Farben gehaltenen Fassade, einem pagodenartigen Dach mit Drachen darauf, die alles bewachen. Sehr exotisch für unsere Augen!

Bevor wir den Palast mit all seinen Räumen besichtigen können, erhalten wir im Eingangsbereich eine Plastiktüte, in der wir unsere Schuhe verstauen können. Mit Socken oder barfuß geht es weiter. Die ersten Räume sind zu einem kleinen Museum umgewidmet worden. Eine Sonderausstellung zeigt ein paar wunderschöne alte Kimonos, dunkelbraun lackierte Holzgefäße mit Intarsien und Keramik, alle mit unterschiedlichen Blumen- und Pflanzenmustern, passend zum Frühlingsbeginn. Leider dürfen wir da nicht fotografieren!

Wir durchqueren die unterschiedlichen Bereiche, die Regierungsräume der Beamten, den Wohntrakt der Königsfamilie und der Bediensteten, die alle sehr spartanisch und klar aussehen. Helle Holzwände, Tatami-Matten auf dem Boden, Schiebetüren und Schiebefenster teilweise mit weißem durchscheinendem Papier ausgekleidet, vermitteln trotz der Kargheit einen warmen Eindruck. Einige der Räume dürfen wir auch betreten und stellen fest, wie angenehm man auf den Tatami-Matten gehen kann. Andreas setzt sich in eine Ecke des Raumes und genießt den Eindruck der Einfachheit und Klarheit. Immer mal wieder können wir einen Blick auf die wirklich sehr kleinen Gärten werfen, die zwischen den Wohnräumen und der Ringmauer angelegt sind.

Die Regierungs- und Repräsentationsräume mit dem Thron des Königs, in denen die wichtigen Zeremonien stattfanden und hochrangige Besucher empfangen wurden, sind alle in der Farbe Rot angestrichen, die Säulen mit Motiven bunt und golden angemalt, goldene Schriftzeichen zieren die Wand hinter dem Thron. Sie bilden einen starken farblichen Kontrast zu den anderen Räumen  und können auch heute noch die Besucher beeindrucken.


Modell des Innenhofes

Daher verwundert es nicht, dass der japanische Premierminister als Gastgeber des G8-Gpfels im Jahre 2000 die Regierungschefs zu einem Abendessen in diese Residenz eingeladen hat: Gerhard Schröder, Vladimir Putin, Tony Blair, Bill Clinton … saßen alle beisammen, entnehmen wir der Schautafel im Besucherzentrum.

Der Weg zurück geht nun bergab, wir müssen nur ab und zu aufpassen beim ungewohnten Linksverkehr, wenn wir zwischendurch auf der Straße und nicht auf dem Gehsteig radeln. In kürzester Zeit sind wir wieder daheim auf der Muktuk, voller neuer Eindrücke und einer guten Müdigkeit in den Knochen vom Fahrradfahren.

Yonabaru, Okinawa

Gleich nachdem wir die Papiere im Büro der Marina ausgefüllt haben und Henry Asano, der Hafenmeister, uns auf einem Stadtplan gezeigt hat, wo wir einen Geldautomaten finden und wo einen Supermarkt, machen wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Mit Schirm und Regenjacke, denn es regnet immer noch. Das macht uns nicht viel aus, wie freuen uns, dass wir endlich ein paar Schritte gehen können und sind ganz aufgeregt und gespannt, ist es doch der erste Landgang in Japan! (Die paar Schritte am Pier im Industriehafen in Naha zählen nicht wirklich.)

Auf den ersten Blick sieht alles sehr vertraut aus, eine ruhige Kleinstadt, die es in Deutschland so auch geben könnte, aufgeräumt, mit modernen mehrstöckigen Appartement-Blocks, Reihenhäusern, dazu Parks mit Spielplätzen, Schulen, Kindergärten, Handwerksbetrieben, ein Einkaufszentrum gleich gegenüber der Marina. Ein Fluss schlängelt sich durch den Ort, darüber ein paar schöne Brücken. Hier und da versteckt sich noch ein älteres Haus aus Holz, mit Schiebetüren und pagodenartigem Ziegeldach. Wir sind eindeutig wieder in einem westlich geprägten Land unterwegs. Und doch gibt es Unterschiede: angefangen von den japanischen Schriftzeichen, dem Linksverkehr auf den Straßen, dem Essen, der Kultur bis zu den Menschen, die uns auch hier freundlich zunicken, wenn wir vorbei gehen. Und so Vieles mehr, das wir in den nächsten Tagen und Wochen noch entdecken und bestaunen werden!

Mit den Fahrrädern, die wir von der Marina kostenlos ausleihen können, fahren wir in den nächsten Tagen die Sehenswürdigkeiten der Stadt ab, die in der englischsprachigen Informationsbroschüre aufgeführt sind. Dazwischen halten wir an und schauen uns kleinere Läden mit Kunsthandwerk an, fragen in einem Handyshop nach Sim-Karten und suchen uns zum Mittag- oder Abendessen eines der vielen Nudelrestaurants aus. Und natürlich gehen wir auch in den großen Baumarkt im Einkaufszentrum gleich bei der Marina und laufen die Regale sorgfältig ab, um zu sehen, was es alles gibt und was wir davon fürs Schiff gebrauchen könnten. In den nächsten Tagen haben wir Glück mit dem Wetter: die Sonne scheint, Yonabaru zeigt sich von seiner gemütlichen Seite, eine Stadt, die für sich wirbt mit dem Slogen: „Enjoy the retro feel and charm of Yonabaru“ – genieße den Retro-Gefühl und den Charme von Yonabaru. Ja wirklich, das tun wir!


Mit dem Fahrrad unterwegs, auch zur Wäscherei


Der „Farmers Market“, ein Supermarkt mit lokalen Produkten, Obst und Gemüse


Keramikladen


Kleine Löwen


Löwen bewachen fast jedes Haus

Muktuk-Maru oder: Einklarieren in Japan

Am letzten Tag der Überfahrt mussten wir noch ordentlich bremsen, fuhren nur mit der Fock und 3 Kn bei achterlichem Wind, denn wir wollten nicht nachts ankommen. In der letzten Nacht auf See, auf den letzten Seemeilen vor Okinawa bekamen wir wenig Schlaf: Fischerboote, die keinen stetig geraden Kurs fuhren und Sportboote wollten alle auf einmal an der Muktuk vorbei und wir hatten Mühe, uns da unter Segeln durch zu wursteln, bis wir doch den Motor anwarfen, die Windsteuerung abbauten, um besser manövrieren zu können. Gut, dass die drei Containerschiffe, die wir auch über AIS auf dem Bildschirm hatten, in einem sicheren Abstand von 3-4 sm an uns vorbei zogen.

Wir konnten schon die ganze Nacht den Lichtschein der Insel am Horizont sehen und am Morgen des 27. Januar erschien bei strahlendem Sonnenschein die dicht bebaute Küstenlinie von Okinawa. Andreas rief „Port Control“, die Hafenaufsicht, per Funk, meldete uns an und bat um Auskunft, wo wir einklarieren sollten. Der freundliche Herr von Port Control nahm unsere Daten auf: Name des Bootes, Länge, Crew, Land usw. und bat um etwas Geduld, da er erst bei den zuständigen Behörden Rücksprache halten musste, ein paar Mal meldete er sich noch, um weitere Informationen von uns einzuholen. Irgendwann kam die Antwort, wir sollten in den Industriehafen von Naha fahren und dort festmachen, die genauen Koordinaten gab er uns durch. Andreas sah in der Karte nach, der Platz war so weit innen, da wären wir mit unseren 3,5 m Tiefgang nicht rein gekommen. Also riefen wir noch einmal Port Control an und baten um einen anderen Liegeplatz mit etwas mehr Tiefe. Sehr gerne, bitte warten, wieder Rücksprache, neue Koordinaten, die passten und der abschließende freundliche Zuruf: „Take care“! Vorsichtig reinfahren!

Am Pier im Industriehafen standen ein paar Autos und eine Gruppe von Menschen, die bereits auf uns warteten und die Leinen annahmen. Zuerst kamen zwei Beamte von der Quarantäne an Bord, mit Mundschutz und Handschuhen, maßen Fieber und fragten nach unserer Gesundheit. Während Andreas die ersten Papiere ausfüllte, begleitete ich einen der Beamten, der sich den Kühlschrank, die Spüle und die Schränke drum herum ansehen wollte. Alles ok., nun könnten wir die gelbe Flagge herunter holen, sagten uns die beiden zum Abschied.

Danach kamen alle anderen Beamten und Beamtinnen an Bord: sage und schreibe 8 Leute standen in der Messe um den Tisch herum und weitere 5-6 saßen an Deck, von der Hafenbehörde, vom Zoll und von der Einwanderungsbehörde, alle sehr freundlich und gar nicht so sehr förmlich, wie wir das von Japan gehört und gelesen hatten. Einige von ihnen sprachen Englisch und übersetzten für die anderen die Fragen, die sie an uns hatten. Mit einer jungen Frau unterhielt ich mich länger, sie erzählte von ihrer Deutschlandreise, u.a. zu den Weihnachtsmärkten in Köln und Nürnberg und zeigte mir ein paar Fotos auf ihrem Handy. Ein anderer Beamter fragte uns interessiert nach den Überfahrten, unseren Stationen der letzten Jahre und dem Leben an Bord.

Drei Beamte gingen durch das Schiff, öffneten alle Fächer und wischten mit dünnen feinen Stoff- oder Papierstreifen die Griffe und Ränder der Schapps ab. Ähnlich wie auf dem Flughafen bei der Kontrolle des Handgepäcks, sollen wohl so verbotene Substanzen ermittelt werden. Obst, Gemüse, Tabak und Spirituosen dagegen interessierte niemanden. Andreas musste noch mehr Papiere ausfüllen, Schiffspapiere vorzeigen, Pässe, das ganze Prozedere dauerte gut zwei Stunden.

Der junge Beamte von der Einwanderungsbehörde bat uns, mit unseren Pässen an Land zu seinem Auto zu kommen. Dort warf er einen kleinen Generator an, um die ganze elektronische Ausrüstung mit Strom zu betreiben: ein Laptop, das verbunden war mit einem Scanner für die Pässe sowie einem Scanner für Fingerabdrücke und einem Fotoapparat für den biometrischen Abgleich. Das ersparte uns den Gang zu seiner Behörde am nächsten Tag!

Seit Mai 2018 gibt es eine große bürokratische Reform, eine Erleichterung in Sachen Papierkrieg: In Japan gibt es offene und geschlossene Häfen, historisch bedingt noch aus der Zeit, als Japan sich für mehr als zwei Jahrhunderte vom Rest der Welt abgekapselt hatte. Ein paar große Industriehäfen sind „open ports“, also offene Häfen, für alle anderen „closed ports“, geschlossene Häfen, musste man – für jeden einzeln! – einen Antrag bei der jeweiligen Präfektur stellen, und das im Voraus, bevor man da rein fahren konnte. Die „closed ports“, die geschlossenen Häfen, gibt es zwar immer noch, aber es reicht ein einmaliger Antrag, den wir per Email schon in Guam gestellt hatten. Innerhalb kürzester Zeit erhielten wir den pauschalen Bescheid, ein Dokument, das uns nun erlaubt, alle geschlossenen Häfen in Japan anzulaufen.

Jetzt fehlte nur noch das Papier, das unsere Muktuk aus einem „boat in transit“ in ein „domestic boat“ umwandeln würde, also aus einem durchreisenden in ein ansässiges Boot. Das erhielten wir zwei Stunden später und seither besitzt die Muktuk den zollrechtlichen Status eines einheimischen Bootes und könnte sich Muktuk-Maru nennen, wenn sie denn wollte. Wir dagegen haben erst einmal ein Visum für drei Monate im Pass, das wir aber als EU-Bürger um weitere drei Monate verlängern dürfen.

Eigentlich wollten wir nur noch um die Ecke, zur nahe gelegenen Ginowan Marina tuckern. Da wir von ihnen keine Antwort auf unsere Anfrage per Email erhalten hatten, zückte einer der netten Beamten von der Hafenbehörde sein Handy und rief dort an. Aber, oh weh! Die Marina war belegt und hatte keinen Steg für uns frei. Ich sah uns schon weiter zum Festland segeln, noch mal ein paar Tage auf See. Aber der nette Beamte dachte kurz nach und meinte, es gäbe noch eine andere Marina, eine ganz neue, etwas weiter weg an der Ostküste von Okinawa und rief dort an, sprach kurz in sein Telefon und reichte es an Andreas weiter. Ja, versicherte ihm der Hafenmeister, es gäbe reichlich Platz und wir seien herzlich willkommen und ja, Tiefe ist auch ok, auf 8m ist der Hafen ausgebaggert.

Wir beschlossen, die Nacht vor Anker zu verbringen, bei einer kleinen, nur etwa 5sm vor Naha gelegenen Ausflugsinsel. Dort war es zwar nicht ganz so geschützt, wie es auf der Karte aussah und es schaukelte, aber das waren wir ja noch von der Überfahrt gewohnt.

Frühmorgens um 7.00h gingen wir Anker auf und segelten die letzten 35 sm nach Yonabaru zu unserer Marina, wo wir bei strömendem Regen am einem Steg fest machten.

Hier ist es schön ruhig und geschützt, der perfekte Ort, um nach zwei längeren anstrengenden Überfahrten anzukommen und erst einmal auszuschlafen. Alle Anlagen sind funkelnagelneu, die Marina ist erst seit zwei Jahren im Betrieb, nur gut die Hälfte der Boxen sind belegt. Der Hafenmeister, ein ganz freundlicher und gütiger älterer Herr und seine jungen Mitarbeiter begrüßten uns herzlich und sind uns seither in so vielen Dingen behilflich. Zur Marina gehört eine Werft mit zwei Traveller-Liften, einer für Boote bis zu 20t, der andere bis zu 60t mit sagenhaft günstigen Preisen zum Rausheben. Beinahe hätten wir uns entschlossen, das verlockende Angebot anzunehmen. Aber die Lieferzeiten für das Antifouling waren doch zu lange und eigentlich wäre es auch noch nicht wirklich nötig, neues drauf zu streichen. Und: wir wollten in Japan nicht nur am Schiff arbeiten und reparieren, hatten wir uns vorgenommen.

Kavieng, letzte Station in Papua Neuguinea

Drei Tage lang brauchen wir von Nissan Island bis Kavieng. Die letzte Nacht lang ankern wir vor Lihir Island, gehen aber nicht an Land, sondern segeln weiter. Auf Lihir wird Gold abgebaut und dort, wo die Erde aufgewühlt ist, sieht es aus wie eine Wüste, Rauchsäulen steigen vereinzelt auf und neben der großen sandfarbenen Narbe stehen Industrieanlagen.
Der Ort Kavieng auf der großen Insel New Ireland (zeitweilig Neu Mecklenburg) ist unsere letzte Station in Papua Neuguinea, hier werden wir ausklarieren.
Unser Ankerplatz befindet sich etwas weiter weg vom Ort, gut geschützt vor der kleinen vorgelagerten Insel Nusa. Darauf befindet sich das Nusa Island Retreat, eine schöne Anlage mit Bungalows auf Stelzen, einem Restaurant, überwiegend Australier kommen hierher um zu surfen, an den umliegenden Riffen und Stränden bauen sich schöne Wellen auf. Die durchreisenden Segelboote sind hier herzlich willkommen, wir können die Wäsche zum Waschen abgeben, Diesel bunkern, der in 200l Fässern herangefahren und in unseren Tank gepumpt wird. Und das abendliche Buffet ist auch sehr lecker.
Die Besitzer des Resorts haben zur Unterstützung ein junges Paar als Manager eingestellt. Lucy stammt aus Prag und Kurt hat Wurzeln in Deutschland, Australien und Papua Neuguinea. Er heißt nämlich mit Nachnamen Diercke, wie der gleichnamige Schulatlas. Und wirklich, sein Ur-Urgroßvater war eben jener Carl Diercke, der den ersten Schulatlas zusammengestellt und mit dem Westermann Verlag 1878 herausgegeben hat. Carls Sohn führte den Atlas weiter und dessen Sohn wiederum wanderte nach Papua Neuguinea aus, transportierte Güter auf seinem Boot und wurde später Besitzer einer Kokosplantage. Als sein Vater starb, war es offensichtlich nicht möglich, ihn binnen der 7-Jahresfrist zu finden, so dass die Rechte an dem Atlas für ihn verloren gingen. Der junge Kurt Diercke war kürzlich in Deutschland unterwegs, hat die Gedenktafel für seinen Urgroßvater im Ort Kyritz gefunden und auch den Westermann-Verlag besucht, der ihm nun Atlanten für die Schulen in PNG zuschickt. Er gab uns ein Buch mit, das er von Bekannten in Deutschland ausgeliehen hatte, die Erinnerungen von Albert Hahl, Richter und Gouverneur von Neuguinea bis 1914, eine ausgesprochen spannende Lektüre über dieses Zeit.
Wir gönnen uns hier ein paar Tage Ruhe und genießen ein bisschen den Luxus des Resorts, bevor wir uns die nächste lange Seestrecke vornehmen. Einmal noch auf dem großen Stadtmarkt von Kavieng einkaufen, dann geht es weiter!

In Papua Neuguinea trägt „Mann“ Handtasche!

Pinga Police! Oder: Mühsam nährt sich das Ei-Hörnchen

Wir sitzen gemütlich mit der ersten Tasse Tee in der Hand, lesen, werden langsam wach. Ein typischer ruhiger Morgen im Boot, die Hitze des Tages hat sich noch nicht ganz entfaltet. Doch da hören wir schon die ersten Stimmen, Kichern, Ruderblätter plätschern im Wasser, ein Poltern an der Bordwand, und irgendwann ein leises „Hello?“, wenn wir nicht gleich den Kopf rausstecken.
Eigentlich bin ich erst nach der zweiten Tasse Tee ansprechbar, aber hier habe ich einfach keine Wahl. Ich will nicht als unfreundliche Weiße gelten und so gehe ich an Deck und schaue nach, wer da ist. Ein Ausleger-Kanu mit zwei, drei, manchmal sogar fünf Kindern darin, die sofort wieder kichern, sobald ich ihnen auch Hello! und Good Morning! zurufe. Manchmal paddeln sie noch mühsam gegen den Wind an, wenn er mal wieder etwas heftiger weht, oder sie haben es schon geschafft, halten sich an der Bordwand fest und schauen neugierig rein.
Die Kinder hier verhalten sich so ganz anders, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Schaut man sie an, oder spricht mit ihnen, fragt nach ihrem Namen, wenden sie sich ganz schnell schüchtern ab, verstecken das Gesicht in den Händen und kichern verlegen oder legen ihren Kopf ins Boot, wie ein Vogel Strauß. Manchmal muss ich meine Fragen wiederholen, bis sich eines von ihnen ein Herz fasst und antwortet. Aber dann fällt die Antwort so leise aus, dass ich wiederum nachfragen muss. Als nächstes gilt es, ihr Anliegen vorzubringen. Wenn sie sich nicht gleich trauen, dann frage ich einfach, was sie mitgebracht haben. Wieder allgemeines Kichern und den Kopf verstecken, sobald eines der Kinder „eggplants“ (Auberginen) ruft, oder Bohnen, Ananas, was auch immer sie in einer Tüte oder einem Körbchen dabei haben.
Nun beginnt der schwierigste Teil der Kommunikation, was kann ich ihnen dafür geben? Reis, Mehl, Stifte, Hefte, Kekse?Ja! Heftiges Nicken. Und bitte ein „Pinga Police“! Erneutes Kichern…
Was ist das? Frage ich ratlos zurück? Was für eine Polizei?
Pinga Police!
Hmm? Was ist das? Könnt ihr das beschreiben?
Endlich zeigt eines der Kinder auf seine lila angemalten Fingernägel und wiederholt noch einmal eindrücklich „Pinga Police!“. Oh, alles klar! Finger polish, Nagellack!
Erleichtertes Kopfnicken auf beiden Seiten der Reling, Nagellack ist es, Nagellack soll es sein! Denn am ersten Tag beim Tauschmarkt, den Chief Patrick organisiert hatte, hatte ich ein Fläschchen lila Nagellack dabei und mitsamt Heften und Stiften einer jungen Frau gegeben. Das hatte sich herum gesprochen und nun war Nagellack der Renner geworden. In den nächsten Tagen wird es dann sehr bunt im Dorf, Erwachsene wie Kinder, Männer und Frauen, Jungs und Mädchen laufen herum mit rot, blau, grün, rosa und lila angemalten Nägeln an Händen wie Füßen.
Manchmal schaffe ich es gerade noch, für unser Müsli die Papaya, Ananas und Bananen zu schnippeln – Früchte haben wir ja inzwischen reichlich! – bevor es wieder „Hello?“ von draußen ertönt. So geht das unter Umständen den ganzen Tag lang, die Treppe rauf und wieder runter, in den Schubladen nach Haargummis, Fischhaken, Wäscheklammern und Stiften kramen, Reis (braun oder weiß?) und Mehl aus den 5 kg Großpackungen abfüllen, Obst und Gemüse an Deck nach Ameisen absuchen, verstauen und vor allem versuchen, den Überblick zu behalten. Jetzt haben wir wirklich genug Süßkartoffeln und Bananen. Bei der sechsten Ananas muss ich leider den Kopf schütteln und auf einen anderen Tag vertrösten. Und Trink-Kokosnüssen haben wir auch erst einmal reichlich, so viele können wir gar nicht trinken, wie sich inzwischen an Deck stapeln.
Aber gerne ein paar Kokosnüsse zum Reiben und Kochen und vielleicht Eier, das wäre fein! Kaum hat sich das herum gesprochen, kommen die nächsten Kinder mit Eiern. Halten eines, zwei, selten auch drei Stück in die Höhe! Die Eier sind klein, eher wie von Zwerghühnern und sicher sehr wertvoll, denn die Hühner laufen alle frei herum, können sogar fliegen und wo sie ihre Eier hin legen, das muss erst noch herausgefunden werden. Auch über Frühlingszwiebeln freue ich mich, und frisch ausgegrabenen Ingwer.
Womit wir zum nächsten schwierigen Punkt kommen: woran bemisst sich der Wert der Tauschsache? Wie erkenne ich, ob ich für zwei Eier genauso viel her geben soll wie für eine Papaya? Was ist der Gegenwert für die Tüte Mischgemüse: zwei Süßkartoffeln, drei grüne lange Bohnen, zwei kleine Auberginen und ein frisch abgebrochener Zweig mit scharfen Chilli-Schoten?
Mir fehlt komplett der Kompass dafür, ich kann nur aufzählen, was ich habe, fragen und raten, in die Gärten schauen, mit den Leuten reden und beobachten, ob die Gesichter zufrieden sind, oder ob sie nach einigem Zögern doch noch etwas drauf haben wollen.
Die Kinder paddeln meistens noch länger ums Boot herum, zeigen sich gegenseitig die Sachen, lutschen die Bonbons oder knabbern schon mal an den Keksen. Sie kichern, lachen und gerne wüsste ich, was sie sich so zurufen.
Nach ein bis zwei Tagen kann ich langsam ihre Gesichter auseinander halten und zu manchen die Namen zuordnen, Samelu, der so fröhlich lacht und vorwitzig ist mit seinen sieben Jahren, Pamela, die inzwischen ihre Schüchternheit abgelegt hat, aber immer noch meistens ganz ernst schaut, dann Anna, Benedicta, Laureen, John, Christopher oder Sammy, der Tänzer und das sind noch nicht alle…
Wenn Erwachsene kommen, haben auch sie oft ein paar Kinder unterschiedlichen Alters dabei, die ganz kleinen können oft gerade mal den Kopf aus dem Kanu stecken und halten sich ordentlich fest, die älteren turnen schon viel mutiger herum. Manche bringen auch was zum Tauschen aus ihren Gärten mit, andere kommen einfach nur zum Plaudern oder fragen nach Medikamenten. Dann unterhalten wir uns über ihre Familien, über den Garten, das Leben auf der Insel, über unsere Reisen, woher wir kommen, wohin wir weiter fahren. Und immer wieder hören wir, „Germans are good people“, Deutsche sind gute Leute.

Nissan Atoll

Von Normanby Island sind wir in einem durch bis zu der äußeren Inselkette im Osten von Papua Neuguinea gesegelt mit Ziel Nissan Atoll oder Nehan Island, wie es in der Sprache der Bewohner heißt.
Es gehört zu der autonomen Region Bougainville, die wiederum wird in diesem Jahr ein selbständiger Staat werden, alles ordentlich unter der Regie der UNO und in Person des früheren irischen Premierministers Bertie Ahern als Vermittler. Früher war das deutsche Kolonie bis 1914, der ganze Nordosten des Festlandes von Papua Neuguinea, die Inseln New Britain und New Ireland (Neu Mecklenburg und Neu Pommern), bis weiter nördlich Palau, die Marshall- und die Marianeninseln (außer Guam) haben sie von den Holländern bzw. Spaniern übernommen. Die Deutschen haben sich hier – anders als in Afrika – gut benommen, hören und lesen wir. Sie hatten eine gut funktionierende Verwaltung aufgebaut, versucht, gemeinsam mit den Missionaren die Stammeskriege zu befrieden und damit den Brauch des Menschenfressens zu unterbinden, haben Schulen und Krankenhäuser gebaut. Sie haben Kokosplantagen angelegt, von denen heute noch viele stehen. Damals konnte man richtig reich werden mit der Produktion von Kopra.
Nur die Grenzziehung hat nicht so recht geklappt. Die Insel Bougainville fühlt sich ethnisch den Salomonen zugehörig und immer als Fremdkörper im Staat Papua Neuguinea. Als dann eine australische Firma Kupfer in den 70er Jahren im großen Stil dort abbaute, und 20% des Staatshaushaltes damit finanziert wurde, aber nichts in Bougainville davon ankam außer den massiven Umweltschäden, gab es Rebellion und zuletzt einen Bürgerkrieg, die Produktion der Kupfermine kam gänzlich zum Stillstand, bis heute.
Als wir in der Früh noch ein paar Meilen vor dem Nissan Atoll liegen und warten, bis wir gutes Licht für die Einfahrt haben, funkt uns ein Boot an, die „Vela“ mit Shirley (USA, Phillipinen) und Franz (Holland) drauf, sie wollten auch da rein. Und es meldet sich auch Andrew, der Australier, der dort mit seiner Familie lebt und inzwischen zwei Segelboote vor Anker hat, mit denen er eine Art Fährdienst zwischen den Inseln betreibt, Leute und Fracht. Andrew gibt uns eine Beschreibung durch, wie und wo wir am besten die enge Passage ins Atoll meistern können.
Wir gehen gleich am Nachmittag noch an Land zum Antrittsbesuch bei Chief Patrick im Dorf gegenüber und lernen auch seine nette Tochter Barbara kennen. Chief Patrick ist eine beeindruckende Person und noch sehr fit noch mit seinen 80 Jahren.


Chief Patrick

Es ist eine Wohltat beim Chief auf dem schönen Platz mit dem Tisch und der Bank zu sitzen, auf einer kleinen Anhöhe am Ufer unter Bäumen, wo ein kühlendes Lüftchen weht, denn im Boot brütet die Hitze bis zu 40 Grad Celsius aus! Die Kinder haben momentan Ferien und gefühlt das ganze Dorf hat sich dort versammelt, um Shirley, Franz und uns zu begrüßen. Der Chief hat ein Gästebuch, in dem sich die Segler eintragen, die da Halt machen. Sechs oder sieben Boote waren im letzten Jahr dort, da ist es ein seltener Zufall, dass gleichzeitig zwei Boote ankommen!


Die Vela mit Besuchern

Am nächsten Morgen pünktlich um 8.00 sind wir wieder am Land zum Tauschmarkt, den Chief Patrick für uns organisiert hat. Es ist eine neue Erfahrung für mich, ein Markt, auf dem die Frauen die Preise der Waren in einer anderen Währung bemessen, in Kaffee, Heften, Reis, Mehl oder Zucker. Wir sind mit einem großen schwarzen Eimer voller Tauschwaren an Land und mit einem vollen Eimer Obst und Gemüse wieder zurück aufs Boot.

Anschließend wollen wir einen Spaziergang zusammen mit Shirley und Franz unternehmen. Wie wir das schon von Vanuatu kennen, gehört es sich nicht, Besucher alleine herumlaufen zu lassen. Als Begleitung werden uns vom Chief zwei Jungs um die 20 bestimmt, aber es kommt noch Sammy mit, ein 15jähriger, der gerne singt und tanzt, Samelu, 7, ein Enkel von Patrick und Keith.


Andreas mit den großen Jungs


Samelu

Keith spricht ein überraschend flüssiges Englisch, er war bis vor kurzem drei Jahre lang mit seinen Eltern in Australien gewesen, ist dort zur Schule gegangen, weil seine Mutter an der Uni „economics“ studiert hat. Sie arbeitet nun in Buka ( der Hauptstadt von Bougainville) im Finanzministerium und Keith verbringt seine Ferien sehr gerne bei seiner Oma auf Nissan. Ich hätte ihn auf 12 geschätzt, aber er wird demnächst erst 10 Jahre alt und ist jetzt schon ein wandelndes Lexikon in Sachen Nissan und seine Legenden und Märchen. Den ganzen Weg zum nächsten Dorf, zur Schule und zurück hat er uns Geschichten erzählt und allerlei über die Insel erklärt. Ein wirklich ganz besonderer Junge, ein genauer Beobachter und wissbegierig, wir haben ihn sehr ins Herz geschlossen.


Keith

Wir kommen an einzelnen Häusern und Gärten vorbei, treffen unterwegs immer wieder Leute, bleiben stehen und unterhalten uns mit ihnen. Gärten werden hier, wie auch auf Normanby Island mitten aus dem Urwald heraus gehauen, eine mühsame Arbeit bei der Familie und Nachbarn mit anpacken müssen. Hier allerdings kann der Garten bis zu drei Jahre lang genutzt werden, bevor der Boden wieder dem Urwald überlassen wird, nicht nur ein Jahr lang, wie in der Milne Bay. Denn der Boden enthält noch viel Phosphat von früheren unbesiedelten Zeiten, die großen Vogelkolonien haben reichlich Guano hinterlassen.


Ein erfrischendes Bad unterwegs

Die Jungs haben uns auf dem Rückweg aus einer der Kokospalmen-Plantagen Trink-Kokosnüsse geholt. Es war eine Schau, wie fix das ging, erst ein Seil aus einer kräftigen Pflanze drehen, das um die Füße gebunden und dann ist einer der beiden Älteren die Palme hoch gekraxelt. Ich war von dem Spaziergang in der Sonne so durstig, ich hätte ein Königreich für eine Kokosnuss gegeben – sie hat so gut wie noch nie geschmeckt. Das weiche Fleisch haben wir heraus gekratzt und gegessen und waren danach satt, wie nach einer richtigen Mahlzeit. Ein Mann, der vorbei kam und sich mit uns unterhielt, sagte, dass es die „German Coconut“, die deutsche Kokosnuss sei, die hier wächst, und die sei viel süßer als die üblichen.

Später erfuhren wir, dass tatsächlich ein Deutscher die Plantagen angelegt hat. Zu der Zeit betrieb Australien noch Sklavenhandel mit den Insulanern, sie wurden regelrecht entführt und verschleppt. Ein verzweifelter Einheimischer schaffte es, sich eine Waffe zu besorgen und konnte fliehen. Zurück auf Nissan und schwer traumatisiert, sieht er den weißen deutschen Siedler und erschießt ihn. Später wurde ihm dann die Waffe von Dorfbewohnern entwendet und er damit erschossen, denn er war tatsächlich eine Gefahr für die Insel geworden. Von Andrew, dem Australier, der eine Frau aus dem Dorf geheiratet hat, sie haben drei hübsche Mädchen, haben wir diese und auch viele andere Geschichten über Nissan und Bougainville gehört. Andrew ist sehr zuversichtlich, dass mit der Unabhängigkeit Bougainvilles alles gut gehen wird, das Referendum sei nur noch eine Formsache, man rechne mit fast 100% Zustimmung. Auch die Zukunft sieht er sehr positiv, es gäbe eine junge gut ausgebildete Generation, die sich in den Dienst des Landes stellen wolle. Auch hier auf Nissan Island gibt es noch eine matrilineare Gesellschaft, allerdings mit Einschränkungen, weil die Deutschen versucht haben, ihre Vorstellungen einzubringen. Was aber geblieben ist, sind die restriktiven Regeln wer wen heiraten darf, um Inzucht zu vermeiden und das ist sehr kompliziert.
Unsere letzte der vier Bord-Batterie geben wir Andrew, er baut im Nu eine Box dafür und bringt sie zur Nachbarinsel, damit die Bewohner dort auch ein Funkradio betreiben und Bescheid geben können, wenn sie Hilfe brauchen.
Nach einer Woche segeln wir weiter nach Kavieng – dieses Mal allerdings ohne eine genaue Wettervorhersage, denn wir haben weder übers Handy noch über Pactor Empfang in dieser abgelegenen Ecke. Hier fehlt es nicht an Diesel für den Generator, hier hat die Firma Digicell den Standort für den Funkmast unglücklich gewählt, es besteht ein Disput darum. Eine der streitenden Parteien hat daher einfach die Solarzellen geklaut und ein paar wichtige Teile zerstört, so dass die ganze Insel mit ihren 7.000 Einwohnern trotz der neuen Technologien ohne Empfang da steht.

Normanby Island – Seva Bay

Auf Normanby Island in der Milne Bay im Osten von Papua Neuguinea haben wir auf der Karte die geschützte Seva Bay entdeckt, wo wir über Sylvester blieben, Andreas hat schon davon geschrieben. Auch der Reiseführer „Lonely Planet“ weiß darüber zu erzählen, dass sich hier ein Gästehaus befände und ein kundiger Führer für Wanderungen namens Fred Francesco.

Das stimmt auch, denn gleich nach dem wir den Anker ins Wasser geworfen hatten, wurden wir von ihm begrüßt. Abends kam er auf ein Bier vorbei und wir konnten uns in aller Ruhe miteinander bekannt machen. Das Gästehaus, eigentlich ein paar Bungalows ganz aus Holz und Palmwedeln, gehören seinem Onkel. Durch die Bäume am Ufer sieht man die Häuser der Großfamilie schimmern, dahinter führt ein schmaler Pfad, gesäumt von schönen Büschen und Blumen zu den Bungalows und gleich dahinter fließt der Fluss, der zum Baden und zum Wäschewaschen sich gut eignet.

Pro Jahr kommen rund 60 Gäste, meist in Gruppen und überwiegend Franzosen und Deutsche. Fred übernimmt dann die Gruppen für Wanderungen in die Berge, zeigt Pflanzen und Tiere und weiß viele Geschichten zu erzählen von heutigen und vor allem von früheren Zeiten, als sich die einzelnen Stämme der Insel bekämpften und der Brauchtum des Menschenfressens noch nicht von den Missionaren unterbunden wurde. Ungetrübt vom Einfluss der christlichen Kirchen und immer noch sehr lebendig ist der Glaube an Magie, an Zauberei auf den Inseln der Milne Bay. So hat z.B. ein besonders eifriger Missionar mal einen Dorfältesten ausgeschimpft, weil er am Sonntag in seinem Garten arbeitete. Dieser war darüber so verärgert, dass er einen Zauber-Fluch in Auftrag gab und bald ging es dem armen Missionar so schlecht, dass er verstarb. Sogar in den überregionalen Tageszeitungen lesen wir auch heute noch die deutliche Ermahnung, dass Zauberei unter Strafe gestellt werde.

Ab und zu kommen auch Biologen vorbei, die nach seltenen endemischen Pflanzen, Fröschen und Schlangen suchen und mit denen Fred dann durch die Gegend läuft. Als dann vor ein paar Jahren in den umliegenden Bergen große Mengen an Nickelvorkommen entdeckt wurden, hatte die ausländische Bergbaufirma, die sich dafür interessierte, wenig Aussicht auf Erfolg bei der Großfamilie, die das Land besitzt. Nicht nur, dass damit der Lebensraum dieser seltenen Pflanzen und Tiere zerstört worden wäre, auch heilige und historischen Stätten hätten ihre Ruhe verloren: u.a. der ehemalige Kampfplatz, wo der Stamm dieses Tales so viele Siege errungen hat oder das Tor, oberhalb des Flusses, durch das die Geister der Verstorbenen gehen müssen. Mit Hilfe einer Anwältin, spezialisiert auf diese Art von Konflikt, konnten sie schließlich die Bestrebungen des Minenkonzerns abschmettern.

Auf den Inseln der Milne Bay sind die Gemeinschaften immer noch matrilinear organisiert, d.h. die Männer heiraten in die Familie der Frauen ein und Grund und Boden bleibt im Besitz der Großfamilie der Frau. Wenn man einen Mann in dieser Ecke fragt, wo er wohnt, oder wo seine Familie ist, bekommt man unter Umständen zwei Richtung gezeigt, einmal, wo er aufgewachsen ist und dann wo er gerade wohnt. Die Großfamilien entscheiden meistens gemeinschaftlich, welches Stück Land für den Garten gerodet wird, dort werden dann die Yamswurzeln angepflanzt, die wichtigste Quelle für Kohlehydrate, dann die verschiedenen Bananensorten, Ananas und sonstiges Gemüse. Selbstversorger sind sie alle hier. Nach einem Jahr wird ein neues Stück Land gerodet, die Erde des aktuellen Gartens muss sich für 7-8 Jahre erholen, bevor sie wieder bepflanzt werden kann.

Auch sonst sorgt man sich gut umeinander, die Schwester von Francescos Frau hat eine 12jährige Tochter und ein 11 Monate altes Baby auf dem Arm. Das Baby ist die Tochter ihres Bruders, seine Frau starb, als die Kleine gerade mal ein halbes Jahr alt war, nun wächst sie bei der Tante auf und wird liebevoll umhegt.

Wir verabredeten eine Wanderung mit Fred den Fluss hoch bis zu einem kleinen Wasserfall mit Schwimmbecken. Mit dem Dinghi fahren wir ein Stück am Ufer entlang und binden es an einem groß angelegten betonierten Anleger fest. Er erscheint etwas überdimensioniert für die Motorboote, die sonst so in der Bucht herum sausen, und tatsächlich wurde er eigens für den Besuch eines hochrangigen Politikers gebaut, der nur ein einziges Mal hierher kam. Hinter dem Anleger aber ist eine große ebene Fläche, die jedes Jahr für das örtliche Goldie-Bird-Festival Ende Oktober genutzt wird, drei Tage lang singen und tanzen hier die Menschen von Normanby Island und den umliegenden Inseln, rund 5.000 Besucher waren beim letzten Fest 2018 dabei, nur Einheimische. Eine großzügig angelegte Arena, daneben eine Besuchertribüne und viele Häuser, in denen die Besucher von Auswärts übernachten und kochen können. Hier befindet sich auch die Grundschule, vor Weihnachten haben die langen Sommerferien begonnen und es ist bis auf ein paar Leute, die die Anlagen in Stand halten, ganz ruhig.

Wenige Meter weiter sehen wir ein riesiges trockenes Bachbett vor uns, voller Geröll und Gestein. Sind da ein paar Steine dabei, die eventuell Nickel enthalten? Andreas und Fred suchen und klopfen, aber ohne Erfolg. Es ist warm und bei der hohen Luftfeuchtigkeit geraten wir sehr schnell ins Schwitzen, aber es tut gut, unterwegs zu sein, sich zu bewegen.

Fred zeigt uns ein paar Pflanzen, die es auch in der Trockenzeit im Flussbett aushalten, die Fleischfressende Pflanze mit ihrem hohen schmalen Trichter und dem Deckel, der zuklappen kann. Früher wurde der Trichter auch schon mal als Trinkbecher verwendet, wenn man einen brauchte auf dem Weg zu den weit entlegeneren Gärten. Endlich hören wir ein Plätschern und endlich kommen ein paar Bäume in Sicht, die uns Schatten spenden. Aus einer bemoosten Wand sprudelt es wie aus dem Wasserhahn, bestes Trinkwasser. Und auf den Steinen daneben hockt eine Tarantel, die wir respektvoll aus der Ferne nur fotografieren.

Der Fluss wird enger, wir müssen ab und zu über Steine springen oder im Wasser waten, um weiter zu kommen. Und oben dann endlich das kühle Wasser im Becken, herrlich! Wir baden, waschen unsere T-Shirts und essen die mitgebrachte Papaya mit Limettensaft drauf geträufelt.


Fred Francesco

Wir sehen allerlei Vögel, hören den singenden Papageien zu, die gerne in den Gärten einfallen und sich vom Obst und Gemüse bedienen und sehen die Bussarde kreisen. Für den berühmtesten Vogel der Insel aber, für Goldie Bird, hätten wir ein paar Stunden früher aufstehen müssen, den kann man wohl nur in den frühen Morgenstunden beobachten.

Abwärts geht es um einiges schneller und das ist auch gut so, denn inzwischen knallt die Mittagssonne gewaltig herunter. Ein schöner Ausflug war das als Ausklang zum alten Jahr 2018!

Port Moresby, Papua Neuguinea

Seit einer Woche sind wir wieder auf der Muktuk, nachdem wir sie mehr als zwei Monate lang hier in Port Moresby in der Marina zurück gelassen haben. In der Zwischenzeit ist es noch sehr viel heißer geworden, die Temperaturen bewegen sich um die 35 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit schätzen wir auf nahezu 100%. Und nachts kühlt es nicht wirklich ab. Willkommen zurück in den Tropen!
Arbeiten ist es eine echte Herausforderung: wir werden zu Frühaufstehern, um die wenigen noch einigermaßen erträglichen Morgenstunden auszunutzen. Wir kommen auch gut voran, vor allem klappt es wunderbar mit der Montage des neuen Vorstags. Die sperrigen Ersatzteile sind geliefert worden, andere wiederum hatten wir im Gepäck dabei. Nachmittags, an manchen Tagen bereits mittags, flüchten wir für eine Weile ins Restaurant bzw. die Lobby des Yachtklubs, wo die Klimaanlage uns solange abkühlt, bis wir anfangen zu frieren…

Ein Rückblick auf die ersten Wochen in Port Moresby vom 11. – 29. September

Am Ende pustet Rasmus noch mal ordentlich, als wir uns den Weg durch die beiden Riffe suchen, die der Bucht von Port Moresby vorgelagert sind. Muktuk muss sich mit Böen bis zu 40 Knoten herum schlagen und dabei noch gut Kurs halten. Schon von Weitem sehen wir Hochhäuser mit modernen Glasfassaden und beim Näherkommen zeichnet sich das begrünte Villenviertel auf einem Hügel ab, darunter am Strand ein großes Kongresszentrum! Es ist ein ungewohnter Anblick für uns.

Wir werden die letzten paar hundert Meter von einem Motorboot der Marina geleitet und werfen den Anker im engen Becken, es ist später Nachmittag und wir haben noch die gelbe Quarantäneflagge oben. Außerhalb der Marina wäre mehr Platz, aber da soll es nicht sicher sein, sagen uns die beiden jungen Männer, unsere Lotsen.
Die Marina samt umliegendem Park ist ziemlich gut bewacht, das sehen wir schon am ersten Abend. Polizei und Wachpersonal stehen da und schauen den abendlichen Spaziergängern und Joggern zu, die auf den umzäunten Grünanlagen des Schutzwalls um die Marina die letzten Sonnenstrahlen nutzen.

Die Vertreter der Behörden kommen am nächsten Vormittag an Bord, wir füllen wieder ein paar Formulare aus, beantworten Fragen und unterhalten uns mit freundlichen Beamten, die uns herzlich willkommen heißen in ihrem Land. Die Dame von der Quarantäne und ihr junger Lehrling schauen sich im Schiff um, begutachten die Lebensmittel, die sichtbar ausliegen, nehmen aber dann doch nichts mit. Der Zollbeamte, Ernest, unterhält sich länger mit uns und erzählt uns auf unsere Fragen schon einiges über die Lebensbedingungen in der Hauptstadt, die hohe Arbeitslosigkeit und bevorstehende Ereignisse um das APEC-Treffen. Papua Neuguinea ist in diesem Jahr Gastgeber für das Jahrestreffen der Wirtschaftsvereinigung der Pazifik-Anrainer-Staaten.

Wir hatten uns bereits einige Monate vorher angemeldet beim „Papua Royal Yacht Club“, viel im Internet über das Land gelesen und nun sind wir gespannt, wo wir angekommen sind. Einige langgezogene Stege, fast alle belegt, die Motoryachten überwiegen. Die Clubanlage ist groß, zweistöckig angelegt, mit Büroräumen, einem Café und Fitnessclub im Erdgeschoss und einem großen klimatisierten Restaurant mit Bar im ersten Stock, ein Balkon zieht sich über die gesamte Front entlang, von hier hat man einem schönen Blick auf die Boote und die Bucht, besonders wenn die Sonne untergeht.

Die Warnungen vor der Stadt da „Draußen“ setzen sich fort, alle Angestellten des Yachtclubs sagen uns, wir sollten tagsüber nicht unbegleitet raus gehen und bei Dunkelheit schon gar nicht, sie zeigen uns auf der Karte die Stadtteile in denen wir auch tagsüber auf keinen Fall auf der Straße sein sollten. Am besten sollten wir ein Taxi nehmen, wenn wir irgendwohin fahren wollen, aber auch da nur die hellblauen oder gelben, alle anderen seien nicht vertrauenswürdig. Und schon gar nicht mit den öffentlichen Kleinbussen, den PMVs, fahren. Denn man riskiere, als Weißer überfallen und ausgeraubt zu werden.

Außer vielleicht, der Weg zu dem Supermarkt bzw. zum Einkaufszentrum und den Restaurants bei den Bürogebäuden nach links und zu dem nach rechts jeweils fünf Minuten weit entfernt sei sicher – bei Tageslicht. Abends sitzen wir bei einem ersten Bier in der Bar des Yachtclubs und lernen ein paar Leute kennen, Neuseeländer, Briten, Australier, alle Angestellte ausländischer Firmen, die für ein paar Jahre in Papua Neuguinea leben, und die statt in einer bewachten Wohnanlage in der Stadt lieber auf einem Boot in der Marina leben, und meinen, hier sei es um einiges sicherer, und natürlich günstiger. Sie alle bestätigen im Wesentlichen das, was wir bereits im Internet über Port Moresby gelesen haben: jugendliche Banden ziehen nachts herum, manchmal auch tagsüber, die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch, nur 20% der Menschen in der Stadt haben eine Arbeit.
Als ich eine junge Frau vom Marinabüro nach einem Bauernmarkt frage, weil ich Obst und Gemüse nicht ständig aus dem Supermarkt kaufen will, schaut sie besorgt und bietet an, mich in den nächsten Tagen einmal in ihrer Mittagspause zu dem Markt in ihrem Stadtteil zu begleiten.

Der Eindruck, in einer glitzernden Blase zu leben, verfestigt sich immer mehr: der Königliche Yachtclub besitzt über 3.000 Mitglieder, manche ausländische Firmen schenken ihren Mitarbeitern eine Mitgliedskarte als zusätzlichen Bonus. Hier trifft man sich in zwangloser und sicherer aber auch exklusiver Umgebung und es gibt jede Woche irgendein Programm, vom Oktoberfest bis zur Kinderdisko am Wochenende.

Wir fühlen uns innerhalb des Geländes zwar sehr sicher, aber der Eindruck verfestigt sich immer mehr, dass wir hier ganz schön eingesperrt sind.

Gleich am ersten Abend sprach uns freundlich und höflich ein sehr feiner älterer Herr an, ob wir denn die neuen Segler aus Deutschland seien und stellte sich vor als einziger (ehemaliger) Langzeitsegler des Yachtclubs. Brian stammt aus Australien, hat früher lange Zeit für die australische Verwaltung von PNG gearbeitet und ist inzwischen offiziell Staatsbürger dieses Landes. Er kennt diese Ecke seit 60 Jahren und spricht nicht nur das „Tok Pisin“, das Pidgin-Englisch, sondern auch „Motu“, die Sprache der Küstenbewohner. Brian betreut die durchreisenden Segler im Namen des Yachtclubs, und wir nahmen sehr gerne seine Einladung zum Abendessen am übernächsten Tag an.

Und es war Brian, der den Kopf schüttelte über die vielen Ratschläge, die wir in den ersten Tagen hörten. Wir ließen uns gerne von ihm überzeugen, dass wir tagsüber durchaus in der Stadt herum fahren und gehen können. Auf die richtige Körpersprache komme es an, meint er: freundlich und auf keinen Fall aggressiv sollten wir auftreten.
Das probieren wir dann auch gleich aus, denn schon am ersten Wochenende wird drei Tage lang gefeiert und getanzt, auch Papua Neuguinea begeht seinen Unabhängigkeitstag mit Paraden und Festen in allen Stadtteilen. Wir fahren erst mit dem Taxi zum neu angelegten Park mit Uferpromenade „Ela Beach“ neben dem neuen Kongresszentrum, wo unter Tausenden von fröhlichen Menschen vielleicht 20 Ausländer zu sehen sind. Es gibt viele Stände mit Essen und Kunsthandwerk und ein paar Bühnen. Traditionelle Tänze werden auf der einen aufgeführt, auf den anderen moderne Musik und ein lustiges Theaterstück, von dem wir leider nichts verstehen. Dafür sind die Tänze umso interessanter. Neben der Bühne bereiten sich weitere Gruppen vor, schminken sich fertig, üben noch schnell ein paar Schritte.
Die Zuschauer bilden ein buntes Meer in den Farben Schwarz-Rot-Gold, den Nationalfarben dieses noch jungen Staates, denn alle tragen entweder ein T-Shirt mit bunten Motiven oder haben zumindest eine selbst gehäkelt Mütze in diesen Farben auf dem Kopf. Eine junge Frau hat sich sogar ein Kleid in diesen Farben gehäkelt!
Überall lächeln uns die Leute an oder winken uns aus ihren Autos zu, wenn wir fotografieren, und wir freuen uns, dass wir uns raus gewagt haben. Für den Rückweg nehmen wir einen der öffentlichen Busse: 26 Sitze, ein Fahrer und ein Schaffner, der gleichzeitig auch der Ausrufer ist. Es gibt feste Buslinien, aber keinen Fahrplan. Ist auch nicht wirklich nötig, denn sobald ein Bus einigermaßen voll ist, fährt er los. Warten muss man selten länger als 10 Minuten. Das kennen wir schon von Guatemala, dieses System funktioniert wirklich hervorragend.
Neu ist hier für uns, dass wir wirklich die einzigen (weißen) Ausländer sind, die im Bus sitzen und dass wir von den Mitreisenden gefragt werden, wohin wir fahren möchten. Sie wollen sicher gehen, dass wir im richtigen Bus sitzen und an der richtigen Haltestelle aussteigen und auf keinen Fall verloren gehen und es ergibt sich meist ein nettes Gespräch daraus! Wir fühlen uns sofort gut aufgehoben.

Nun fahren wir – tagsüber – nur noch mit dem öffentlichen Bus in der Stadt herum zum
Baumarkt, Fischmarkt, Gemüsemarkt, sogar weiter raus zum Botanischen Garten. Und jedes Mal das gleiche, sobald wir einsteigen, fragt uns sofort jemand, wohin wir wollen, woher wir kommen, ob wir das erste Mal hier sind und wie es uns gefällt. Und wenn wir volle Rucksäcke dabei haben und Taschen, wird ganz selbstverständlich mit angepackt. Bei so viel Freundlichkeit und Fürsorge fällt uns die Antwort nicht schwer: wir sind sehr angetan von den Menschen hier!

Port Moresby ist eine Stadt der Gegensätze, einerseits die modernen Büro-Hochhäuser im Zentrum, dazu die eingezäunten Wohnanlagen mit Stacheldraht und Alarmanlagen für die Ausländer, während hinter dem nächsten Hügel eine Siedlung mit Wellblechhäusern auftaucht, wild durcheinander gewürfelt. Dazwischen ganze Straßenzüge mit Läden aller Art. Überall wird gebaut, Straßen, Häuser, Hafenanlage, die einheimischen Bauarbeiter werden von chinesischen Vorarbeitern in Tarnanzügen überwacht, die Baufirmen scheinen überwiegend aus China zu sein. Das bevorstehende APEC-Treffen im November hat wohl diesen Bauboom mit ausgelöst.

Sehenswürdigkeiten hat die Stadt kaum zu bieten: Das Nationalmuseum der Hauptstadt wird gerade renoviert und zeigt seine Ausstellung erst in einem Monat wieder, aber der Botanische Garten mit kleinem Tierpark wird beworben und ist wirklich sehr schön.
Für Touristen sind geführte Wanderungen im Busch bzw. dem Hochland interessant oder ein Flug zu den abgelegenen Inseln zu den Tauchparadiesen. Port Moresby mit seinem Wildwuchs ist bestimmt nicht repräsentativ für den Rest des Landes. Aber man muss wissen, dass vor gut 80 Jahren etliche Stämme im Landesinneren noch ganz isoliert lebten, das Land hat buchstäblich den Sprung aus der Steinzeit in die Moderne innerhalb weniger Jahrzehnte bewältigen müssen, Missionare und die beiden großen christlichen Religionen haben sicher einiges dazu beigetragen, den Kannibalismus zu beenden, wie viel dabei auch an anderen Traditionen verloren gingen, können und wollen wir nicht beurteilen.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag werden wir die Leinen los machen und die Küste in Richtung Osten entlang segeln, erst zu den Inseln der Milne Bay und dann weiter nordöstlich zu dem Teil von Papua Neuguinea, der 30 Jahre lang eine Deutsche Kolonie war, bis 1918. Wir sind schon sehr gespannt darauf!


Royal Papua Yacht Club


Kongresszentrum


Feiern zum Unabhängigkeitstag, Ela Beach

Botanischer Garten

Boroko-Markt

Lakona Bay, Gaua – Welkam, welkam!

25. – 29. August 2018

Die Insel Gaua liegt schon weiter oben im Norden von Vanuatu und gehört zur Banks Gruppe, von Malekula aus brauchen wir fast genau 24h, wir segeln einen Tag und eine Nacht durch. Kaum ist der Anker gefallen, kommen zwei Auslegerboote längsseits, der Sohn des Inselchiefs, der uns einlädt, das Dorf zu besuchen und Father William Levy, der örtliche anglikanische Pfarrer, dem wir unsere Teilnahme am Fest zusagen.

Wieder ein schwarzer Sandstrand mit spielenden Kindern, dahinter ein paar Häuser, in denen vier Familien leben, darunter auch die Großfamilie von John Star, dem Chief der ganzen Insel Gaua. Rechts, hoch am Berg klebt wie ein Schwalbennest ein Haus, da wohnt Christobal, der Chief der Dörfchen von Lakona Bay. Das eigentliche Dorf mit der anglikanischen Kirche und der Grundschule liegt linker Hand auf einer Anhöhe, von der aus man einen herrlich weiten Blick aufs Meer und auf die Bucht hat. Wir begrüßen die Dorfbewohner, werden herumgeführt, der jüngste Sohn des Chiefs, auch John genannt, trägt die meiste Zeit seinen kleinen Sohn auf dem Arm, zeigt uns die Stelle am Strand, wo eine Art unterirdische Quelle mit Süßwasser aus dem schwarzen Sand hervor kommt. Man muss nur ein bisschen graben, um eine Mulde zu bilden und schon kann man die Kanister füllen. Jedes Mal, wenn Andreas Wasser holt, sind die Kinder sofort da, um ihm zu helfen. Sie graben und tragen mit Begeisterung die schweren 10l Kanister zum Beiboot.

Für das Festival in diesem Jahr hat außer uns nur noch ein weiteres Boot den Weg hierher gefunden: ein Katamaran mit Frances, einem Segler aus Australien, drauf. Daher fällt das Programm in diesem Jahr etwas kürzer aus, statt der vollen zwei Tage beginnt das Fest erst am Sonntagnachmittag und auch das angekündigte Lagerfeuer am Strand wird wegen der wolkenbruchartigen Regenfälle abgesagt, die ungewöhnlich sind für diese Jahreszeit, denn die Regenzeit beginnt eigentlich erst im November. Es ist schade für die Dorfgemeinschaft, weil sie sich für das Fest viel Arbeit machen und die Einnahmen der zahlenden Gäste, also der Segler, dringend für das Schulgeld der Kinder benötigen. Für uns aber wird es ein sehr schönes und ergreifendes Erlebnis, von Anfang an haben wir das Gefühl, in die Dorfgemeinschaft wie in eine große Familie aufgenommen zu werden. Es geht ganz gemütlich zu, keine Hektik, wir dürfen überall mitmachen, sollen nicht nur Zuschauer sein, manchmal wird auch improvisiert und das Programm etwas umgestellt, weil gerade ein Regenschauer nieder geht oder der jüngste Sohn des Chiefs noch nicht aus dem Garten zurück gekommen ist.

Zur Eröffnung des Festes wird es trotzdem ein bisschen feierlich: so stehen Frances, Andreas und ich zusammen mit dem alten Chief John Star in einer Reihe, bekommen eine Halskette mit roten Blüten umgehängt, vor uns steht ein kleiner Chor mit Gitarrenbegleitung, wir hören ein Willkommenslied auf Bislama, von Father Levy komponiert: „Welkam, welkam, welkam!“ geht der Refrain.

Danach werden wir in die Kochhütte der Chief-Familie gebeten, wo schon ein paar Brotfrüchte in den glühenden Kohlen liegen. Kokosnüsse werden ausgeschabt und wir dürfen ausprobieren, wie das früher gemacht wurde. Mit flachen scharfen Muschelschalen musste man schon sehr geschickt sein, um die Kokosnuss fein raspeln zu können. Danach werden die fein geraspelten Flocken ausgedrückt und die Milch in einem großen grünen Blatt beiseite gestellt. Eine feste grüne „Popo“, eine Papaya, wird erst mit den ausgedrückten Kokosflocken eingerieben, um eine ölige Schicht zu erzielen und dann mit einem Stock durchbohrt, so dass eine Art Nudelholz draus wird. Die Brotfrüchte sind nun außen ganz verkohlt und schwarz und werden von den Frauen aufgebrochen, das Innere herausgeholt und etwas geknetet. Die Brotfrucht hat wohl einen ähnlichen Kleber wie die Kartoffel, so dass John mit der Walk-Papaya aus den einzelnen Brei-Stücken einen großen Teig mit viel Kraft knetet. Dann folgt das nächste Schauspiel. Kleinere Steine, die im Feuer lagen, werden erst im Wasser kurz gewaschen, dann wird in eine Kokosnuss-Schale Kokosmilch gegossen, ein heißer Stein kommt dazu, die passende Hälfte der Schale wird darauf gesetzt und die Milch mit dem heißen Stein geschüttelt, dadurch wird die Milch warm und bekommt eine sahnige Konsistenz. Dies wird ein paar Mal wiederholt, bis der Teig von einer dickflüssigen Schicht an Kokosmilch bedeckt ist: fertig ist das Laplap aus Brotfrucht. In kleine quadratische Stücke geschnitten wird das Laplap verteilt. Es ist köstlich und sehr sättigend! Ein kleines Mädchen von vielleicht zwei Jahren nimmt vorsichtig ein Stück in die Hand – und schleckt erst einmal die Kokosmilch ab! Das Beste zuerst!

Wir sitzen noch eine Weile gemütlich zusammen und erzählen, bevor wir uns für diesen Tag verabschieden und zurück aufs Boot fahren.

Am nächsten Morgen pünktlich um 9.00h geht es weiter. Wir sehen, wie das Dach eines Hauses aus Palmwedeln hergestellt wird, wie verschiedene Körbe,Schalen und Armbänder kunstvoll geflochten werden, dann führt Chief John uns zu seinem „Nakamal“, einem ganz besonderen Versammlungshaus, das etwas versteckt hinter den Wohnhäusern liegt. Es hat zwei große Figuren aus einem schwarzen porösen Holz säulenartig vor dem Eingang und dazu zwei weitere Figuren aus Stein auf dem Boden. Eine davon stellt eine sterbende Frau dar, denn Frauen ist es bei Strafe verboten, diesen Nakamal zu betreten. Ich muss draußen bleiben, während Andreas mit Frances, den Chiefs und Father Levy den Nakamal von innen anschauen. Aber Father Levy versichert mir, dass sie mir danach alles ganz genau erzählen werden.


Nakamal


Father Levy, Herz und Seele des Festivals, eine beeindruckende Persönlichkeit!


Chief John Star, mit seiner ruhigen Ausstrahlung

Derweil sitze ich mit Susan, der Frau des Chiefs zusammen und lerne sie näher kennen: Sie ist eine sehr herzliche Person mit den oft anzutreffenden orangegelben Haaren, von der Sonne ausgebleicht und leicht angegraut, einem gewinnenden Lächeln, meistens mit ihrer jüngsten zweijährigen Enkelin auf dem Schoß. Sie spricht gut Englisch, wir erzählen von unseren Familien und so erfahre ich unter anderem, dass vier ihrer Söhne gerade in Neuseeland sind als Gastarbeiter, sieben Monate lang in der Nähe von Tauranga Kiwis pflücken. Und auch mit den anderen Frauen und Mädchen ist es spannend, zusammen zu sitzen und zu erzählen.


Susan mit Enkel

Sohn und Enkel von Chief John

Der Tag vergeht schnell mit Bogenschießen und Tauziehen an dem auch Andreas und Frances mitmachen, einem fröhlichen Tanz, bei dem die Männer und Jungen viele grüne Zweige in den Händen tragen und auf ein Kommando jubelnd hochspringen und das Grün in die Luft werfen, weiter tanzen, Zweige einsammeln und wieder in die Luft werfen. Auch ein Kanurennen mit den Auslegerkanus wird organisiert, in einem sitzt Frances mit einem jungen Mann aus dem Dorf, im anderen Andreas mit Father Levy, als Markierungsboje wird eine Kokosnuss ins Wasser geworfen und los geht es unter lautem Gejohle der Zuschauer. Am Ende gehen beide Kanus fast gleichzeitig durchs Ziel.


Damit werden Vögel geschossen

Ein besonderer Programmpunkt ist die Vorführung von „magic“, also Zauberei, die Chief Christobal beherrscht. Christobal kann einen toten Flughund (sieht eher wie eine kleine Fledermaus aus), der in einen Korb gelegt wird, wieder lebendig werden lassen. Und tatsächlich, nachdem mit ein paar grünen Zweigen um den Korb gewedelt wurde, fliegt das Tierchen schnell auf und davon. Christobal beherrscht noch ein paar mehr Zaubereien, wie uns die Dorfbewohner mit viel Bewunderung und Stolz erklären, die viel spektakulärer sind, so z.B. kann er sich selber wieder zum Leben erwecken oder aus einem Feuerring verschwinden und bei den Zuschauern wieder auftauchen.

Während es draußen mal wieder regnet, sitzen wir in der Hütte beisammen und führen längere Gespräche. Frances hat ein Fotobuch von seinen beiden Töchtern mitgebracht, das sehr interessiert angeschaut wird, wir bekommen viele Fragen zu unseren Familien, unserem Leben in Europa und dem Segeln gestellt und fragen auch unsererseits viel.

Am Nachmittag kommt doch noch mal die Sonne raus und das nutzen die Frauen, um ihre berühmte Wassermusik vorzuführen, die hier auf der Insel Gaua von den Frauen erfunden wurde. Und das ist wirklich etwas ganz Besonderes: sie stehen in einer Reihe bis zur Hüfte im Wasser und klopfen mit der hohlen Hand aufs Wasser, platschen, klatschen und erzeugen damit einen mitreißenden Rhythmus. Aber nicht nur einen, viele unterschiedliche Rhythmen beherrschen sie und wir Zuschauen sind ganz hingerissen von ihrer Aufführung. (Video folgt!)

Abends versammeln wir uns alle noch einmal im Dorf und sehen zu, wie Kava hergestellt wird. Aus frischen Wurzeln wird ein Brei gestampft, eine kräftezehrende Angelegenheit. Danach wäscht Father Levy die Wurzeln aus und presst sie mehrfach hintereinander mit einem Tuch aus. In einer feierlichen Zeremonie bekommen wir drei Segler und Chief John als erste ein Glas voll Kava gereicht. Und dieses Mal traue auch ich mich, von diesem schlammig grauen Wasser zu trinken. Der Chor singt ein Abschiedslied, ein paar kurze bewegende Reden werden gehalten und dann sitzen wir noch eine Weile gemütlich unter dem Dach und lassen den Tag ausklingen.

Am nächsten Tag ist wieder schönster Sonnenschein, die Wäsche kann endlich trocknen und nachmittags machen wir noch einen letzten Spaziergang zum großen Dorf hoch. Ein junger Mann begleitet uns, zeigt uns das Haus des alten Steinmetzes, der sich noch an den Zweiten Weltkrieg erinnern kann, als amerikanische Soldaten auf der Insel waren. Er ist inzwischen erblindet, hat aber in seinem Enkel einen Nachfolger gefunden, dessen Kunstwerke uns so gut gefallen, dass wir ihm kurzerhand zwei in Stein gehauene Köpfe abkaufen.

Der Blick vom Strand aus auf die Bucht in der Abendsonne ist so schön, Chief John, Susan und andere Leute aus dem Dorf verabschieden sich noch einmal ganz herzlich von uns. Wie gerne würden wir noch länger hier bei diesen so überaus freundlichen Menschen bleiben.

Big Nambas in Malekula

22. August 2018

Auf der Insel Malekula leben zwei große Stämme, die Big Nambas und die Small Nambas, bzw. Große und Kleine Nambas, benannt nach den Penisköchern, die sie früher trugen. Die Big Nambas waren einst gefürchtete Krieger und schon ihr Ruf allein sorgte dafür, dass sie selten angegriffen wurden. Auch hatten und haben sie viele Rituale und Tänze, die sie auszeichnen. Um diese nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hat sich der junge Dorf-Chief von Mae vor drei Jahren entschlossen, ein jährliches Festival zu organisieren. Eine größere Gruppe von Jungen und Alten üben das ganze Jahr über und tanzen auch schon mal zwischendurch für zahlende Touristen, aber das ganz große Fest findet nun jährlich in der zweiten Augusthälfte statt und dafür haben wir uns angemeldet. Vier Segler und drei an Land reisende Touristen sind dabei, die Tourismusbeauftragte ebenfalls, und auch das halbe Dorf schaut zu.

Auf einem von hohen Bäumen und Sträuchern umsäumten Platz mitten im Dorf ist alles vorbereitet, große Trommeln, ein paar Bänke mit Blumenschmuck am Rand und eine kleine Hütte. Wir, die Gäste von außerhalb, warten erst einmal unter den Bäumen, werden von einer trommelnden und singenden Gruppe begrüßt und bekommen von den Kindern ein Halsband mit Blümchen umgehängt. Danach werden auf den Platz gebeten. Dort ist alles noch wie vor zweihundert Jahren, kein Stück Stoff oder Schuhwerk oder Werkzeug aus der heutigen Zeit, von unseren Fotoapparaten, Smartphones und unserer Alltagskleidung mal abgesehen. Der junge Chief hält eine kurze Ansprache und erklärt uns, dass wir heute eine Reihe von Tänzen zu sehen bekommen, die zu verschiedenen Anlässen getanzt werden,  und dass zwischendurch ein paar Aktivitäten für uns vorbereitet worden sind, wie z.B. Feuermachen, Flechten und eine Kava-Zeremonie. Außerdem wird für mittags ein traditionelles Essen gekocht. Vor jedem Tanz beschreibt er uns kurz dessen Bedeutung – in seiner einnehmenden freundlichen Art.

Nach dem Willkommenstanz sehen wir Tänze, die für die Vorbereitung der Beschneidung junger Männer aufgeführt werden und solche, die nach der Rückkehr der Männer in die Dorfgemeinschaft getanzt werden. Um in der sozialen Hierarchie des Dorfes aufzusteigen, muss ein Mann ein Fest ausrichten und ein oder mehrere Schweine dafür hergeben, auch dafür gibt es ganz bestimmte Tänze. Einen so genannten Beschneidungstanz für Frauen bekommen wir zu sehen, auch wenn diese Tradition zu unser aller Erleichterung längst nicht mehr praktiziert wird. Kleine Kinder weinen ganz fürchterlich, als nacheinander drei teuflische Gestalten auf den Platz hüpfen, mit einer schwarzen Maske und einem Kostüm aus getrockneten Palmenblättern. Zum Schluss zeigen sie noch den Kriegstanz mit Bogenschießen bevor wir eine Zeremonie vorgeführt bekommen, die nur ganz selten tatsächlich praktiziert wird, nämlich dann wenn ein neuer Chief das Amt von seinem Vater übernimmt. Bei diesem Anlass werden sehr viele Schweine geschlachtet und das ganze Dorf tanzt mit, normalerweise die ganze Nacht hindurch, und dazu wird viel Kava getrunken – auch wir dürfen mittanzen, allerdings nicht ganz so lange und statt der Schweine müssen dieses Mal symbolisch ein paar Kokosnüsse herhalten.

Die Männer der Big Nambas tragen einen breiten Gürtel in dem frische grüne Zweige stecken, vorne haben sie rot gefärbten Pandanusblätter, die einen Penisköcher bedecken. Nur die Männer tragen diese roten Pandanusblätter, die Jungs begnügen sich mit grünen Zweigen. Auf dem Kopf tragen sie einen schönen Federschmuck, eine einzelne Feder oder ein ganzes Büschel von Hahnenfedern. An den Füßen haben sie rasselnde Nuss-Schalen umgebunden, die bei den Tänzen zusätzlich für Rhythmus sorgen. Das Besondere bei den Big Nambas ist wohl auch die unterschiedliche Bemalung der Körper zu den entsprechenden Tänzen, mit Kokosnuss-Öl und Asche eingerieben sehen sie gespenstisch grau aus, mit gelber Farbe (Gelbwurzel oder Lehm?) haben sie auf einmal eine ganz hellere Hautfarbe und beim Kriegstanz sind sie ganz schwarz.

Die Frauen wiederum haben fein geflochtene Matten aus rot gefärbtem Pandanus umgebunden, die verheirateten Frauen tragen zudem noch eine Art Matte aus dem gleichen Material auf dem Kopf, lange Fäden der Matten bedecken die Brüste.

Hier ein paar Impressionen dieses ganz besonderen Tages!


Begrüßung


Chief

 


Laplap, in Bananenblätter gebackener Brei und Fleisch, dazu frische Kokosmilch


Bunte Süßkartoffeln mit Tomaten, auch in Bananenblättern gebacken


Teufel


Verabschiedung!


Zaungäste