Zwei Wochen auf See

20. Januar 2023 um 16 Uhr UTC, POS 18°19’N 126°59’W

Lange hat es gedauert, bis wir aus der Schwachwindzone herausgekommen sind. Erst am elften Tag haben wir einen Zipfel vom Wind erwischt, aber auch dann nur tagsüber, während in der Nacht wieder die Segel schlugen. Jetzt aber – seit zwei Tagen – sind wir im Passat. Gestern war unser Etmal dann endlich bei 117 sm, heute werden es über 120, wir kommen also voran. Allerdings herrscht hier gerade eine unregelmäßige und unangenehme Kreuzsee von drei Metern Höhe, so dass wir nachts in der Koje hin und her geworfen werden und keinen Schlaf finden. Irgendwie kann Rasmus es uns zurzeit nicht recht machen: mal zu wenig, mal zu viel … was denn nun?

Drei Tage lang hatten wir Besuch von Tölpeln. Erst einer, der sich am Bugkorb ausruhte, dann kam ein weiterer hinzu, und am Ende waren es gleich drei, die sich nach einigem, teils etwas unwilligem Beiseiterücken den Platz auf dem Bugkorb teilten. Tagsüber flogen sie ihre Kreise um die Muktuk herum auf der Jagd nach Fliegenden Fischen, die von unserer Bugwelle aufgescheucht wurden, nachts kuschelten sie sich wieder mit den Schnäbeln im Gefieder versteckt auf ihren Schlafplatz und ließen sich – wenn auch eher langsam – nach Westen segeln. Selbst die schlagenden Segel konnten sie nicht vertreiben. Einer der drei hat sich schließlich ein besonderes Plätzchen ausgesucht und sich auf der Nock des an Steuerbord ausgebrachten Spinnackerbaums niedergelassen. Dort hatte er tagsüber den besseren Überblick und nachts war er weiter weg vom schlagenden Segel. Das hat den anderen beiden natürlich auch gefallen, und sie versuchten sich dazuzusetzen. Es gab dort aber nur Platz für einen,
und der Entdecker verteidigte seinen Revieranspruch mit lautem Geschnatter, wenn die anderen im Anflug waren. Als es dann im Passat mit 6-7 Windstärken zu blasen begann, sind die Tölpel aber doch auf eigene Faust weitergereist.

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten. An unserem Leichtwindsegel (Code Zero) haben wir bei Tagesanbruch entdeckt, dass das Achterliek einen 2,80 Meter langen Riss hatte. Das Segel ist rundherum etwa handbreit verstärkt, und genau am Rand dieser Verstärkung ist das eigentliche Segeltuch dann gerissen. Wir haben jetzt zwar einen Flicken draufgenäht, aber diese „Sollbruchstelle“ ist über der ganzen Länge von Achter- und Unterliek bereits geschwächt, so dass es bald auch an anderer Stelle reißen wird.

Unsere 10 kg Möhren haben kollektiv den Dienst verweigert, sie sind schon nach weniger als zwei Wochen schwarz verschimmelt. Schade, denn die Probecharge, die wir zuvor vom selben Lieferanten gekauft hatten, hat lange gehalten. Noch kann man sie zwar essen, denn der schwarze Belag lässt sich abschälen, aber trotzdem müssen die restlichen Möhren jetzt dicht an dicht in Plastiktüten gedrängt im dunklen kalten Kühlschrank hausen -selber schuld. Die dort schon länger lebenden Radieschen maulen, weil sie nun weniger Platz haben. Von den Gurken, Paprika, Auberginen und Kartoffeln gibt es hingegen nur Gutes zu berichten, sie dürfen sich weiterhin in der Mittelkabine frei bewegen. Die Zitrusfrüchte waren sogar so übermütig, dass sie samt ihrer Kiste von der Koje sprangen und umherkugelnd das Schiff erkundeten. Da haben wir mit unserem nächtlichen Rollen in der Koje wohl ein schlechtes Beispiel gegeben.

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