Eine Woche auf See

13. Januar 2023 um 15 Uhr UTC, POS 20°15’N 116°26’W

Die erste und die letzte Woche einer Überfahrt sind die schwierigsten. So haben wir es vor vielen Jahren von den Vorbesitzern unserer Muktuk gelernt, zu einer Zeit, als wir uns gar nicht vorstellen konnten, länger als zwei Wochen am Stück unterwegs zu sein. Aber es ist schon etwas dran: in der ersten Woche muss man sich an das Geschaukel und den Wachrhythmus gewöhnen, Reste von Seekrankheit verdauen, schläft noch nicht gut bei den vielen Geräuschen und Bewegungen.

Dazu kommt der krasse Wechsel vom Stress der letzten Tage vor der Abreise mit ihren Einkäufen, Erledigungen, letzten Rechnungen (zweieinhalb Monate kein Internet!), Behördenkram, Ausklarieren… Und auf einmal: nichts mehr. Außer Bordroutine. Drei Mahlzeiten, kochen, spülen, ein paar Segelmanöver und regelmäßige Wartungsarbeiten am Schiff, gelegentliche kleine Reparaturen – kaum ein volles Tagesprogramm. Viel Zeit fürs Nachdenken, Lesen, Podcasts hören, Japanisch lernen. Auch daran muss man sich erst einmal gewöhnen.

Auf die im Schnitt geplanten 100 Seemeilen am Tag sind wir bisher nicht ganz gekommen. Zu oft ist nicht genug Wind für eine zügige Fahrt, aber wir sind ja auch noch nicht auf unserer Zielreisehöhe von 18° Nord, es kann also noch besser werden. Bisher hatten wir sehr kleinräumige Wechsel zwischen kräftigem Wind mit gutem Vorankommen und Flaute mit flappenden Segeln, bei denen die Muktuk von der (natürlich noch gebliebenen Welle) mit Wucht von einer auf die andere Seite geworfen wird. Segeln ohne Wind hat sich aus gutem Grund nicht durchgesetzt. Für die kommenden Tage sieht die Prognose auch nur wenig Wind vor. Wir hoffen auf den Passat mit mehr Konstanz, aber müssen erst einmal dahin kommen.

Die Temperaturen sind angenehm, tagsüber warm für kurze Hosen, nachts kühl genug für Langärmliges. Das Badewasser hat sich von 19 Grad bei Abreise schon auf 22 Grad erwärmt. Wir kommen eben doch langsam nach Süden.

Und warum die letzte Woche einer Überfahrt schwierig sein soll? Da ist man dann ungeduldig und will endlich ankommen. Aber so weit sind wir noch lange nicht.

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