The Family That Dared

Ein paar Wochen dauert es noch, bis wir wieder zurück zur Muktuk können. Momentan liegt sie gut bewacht in der Marina in Ensenada, Mexiko. Befreundete Segler schauen immer mal nach ihr und versichern uns, dass soweit alles in Ordnung ist.

Zufällig las ich in diesem Frühling einen Beitrag auf der Webseite der Zeitschrift „Yacht“ über eine Familie aus Deutschland. Ihren Abenteuern zu folgen half uns ein wenig, das Fernweh auszuhalten und die Zeit zu überbrücken. (Hier klicken: Interview in der Yacht)

Die Geschichte handelt von Marie und Joachim Campe, die Mitte der 1970er Jahre beschlossen hatten, ihr Haus im bayerischen Icking zu verkaufen und mit ihren vier Kindern zu den entlegensten Winkeln dieser Erde zu segeln.

Sie gaben ein Segelboot in Auftrag in einer kleinen Werft in Frankreich, in der Nähe von La Rochelle: ein Boot aus Stahl, ein Schoner. Vom Decksaufbau und der Ausstattung erinnert vieles an unsere Muktuk, die ebenfalls in der Gegend nur wenige Jahre später gebaut wurde.
Von La Rochelle legten sie 1977 los, ihr erstes Ziel war Neufundland mit einem Zwischenstopp in Grönland. Nicht die einfachste Route für eine unerfahrene Crew. Sieben Jahre lange  waren sie insgesamt unterwegs, die meiste Zeit abseits der gängigen Segelrouten im Atlantik und im Pazifik.

Joachim Campe vereinbarte mit dem Bayerischen Rundfunk, unterwegs Filme über ihre Segelreise zu drehen. Zwölf Folgen zu je 45 min wurden schließlich 1984 gesendet. Es ist eine beeindruckende Langzeitdokumentation: der Bau des Bootes wird filmisch begleitet, die Eltern und die Kinder überlegen sich, was sie von der Weltreise auf dem Boot erwarten. In den einzelnen Folgen kommen immer wieder die Kinder zu Wort. Sie erzählen, von ihrem ungewöhnlichen Alltag, sie staunen über die unendliche Weite des Meeres, beobachten und zeichnen die exotische Tierwelt der Galapagos Inseln und verbringen Wochen auf abgelegenen Inseln der Südsee, wo sie in die Dorfgemeinschaft aufgenommen werden. Es ist faszinierend zu sehen, wie leichtfüßig sie sich auf dem Boot bewegen und überall mit anpacken, wie neugierig sie an Land alles erkunden und wie unbefangen sie auf fremde Menschen zugehen.

Die Filme wurden unter heute unvorstellbar schwierigen Bedingungen gedreht: Damals gab es noch keine Handys oder wasserfeste Gopro-Kameras mit schier unbegrenztem Speicherplatz: die Kamera war mehrere Kilogramm schwer, die Filmrollen nahmen im Boot viel Platz weg und alles musste vor dem Salzwasser und der Feuchtigkeit geschützt werden. Und statt einer Drohne, die man heute problemlos über den schönsten Ankerplätzen steigen lassen kann, mieteten sie einen Heißluftballon, um in der Wildnis von Südost-Alaksa spektakuläre Aufnahmen machen zu können.

Joachim Campe ist 2019 noch einmal mit seinem Boot los gesegelt und nun gerade in Lombok, Indonesien. Dort traf er auf Vernon, einen passionierten Video-Blogger, der mit Joachims Einverständnis die Filme digitalisiert und mit Untertiteln versehen, nach und nach ins Netz gestellt hat.

Als Einführung spricht Vernon mit Joachim Campe, inzwischen 82 Jahre alt. Joachim erzählt, warum er mit seiner Familie um die Welt segeln wollte, von der Vereinbarung mit dem BR und gewährt einen ersten Einblick in ihren Alltag auf See. Ein paar Filmausschnitte von ihrer Weltreise sind in diesem Beitrag bereits zu sehen, einfach anklicken: Interview mit Joachim Campe

Alle 12 Folgen sind inzwischen auf Youtube abrufbar unter „The Family That Dared“ auf dem Youtube-Kanal „Sailing Lessons“ von Vernon.

2. Folge

3. Folge

4. Folge

5. Folge

6. Folge

7. Folge

8. Folge

9. Folge

10. Folge

11. Folge

12. Folge

Und wie ging es danach weiter? Hier das Interview zum Abschluss der Serie, noch einmal Joachim Campe und Vernon in Indonesien:
Abschluss-Interview

 

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