Onsen

Muktuk hat ja keine Dusche unter Deck. Wir haben im Cockpit eine kleine abnehmbare Fußpumpe, mit der wir auch mal mit angewärmten Wasser duschen können, aber in den letzten fünf Jahren haben wir doch meistens das Bad im Meer oder die Kübeldusche auf dem Fischbrett zur Reinigung benutzt, auch wenn die Temperaturen manchmal etwas Überwindung gekostet haben.

In Japan allerdings sind wir nicht nur zu bekennenden Warmduschern, sondern zu regelmäßigen Onsen-Benutzern geworden. Japan ist ja bekannt für seine Badekultur. Schon zu Zeiten, als in Europa das Baden verpönt war (zweimal im Leben reichte: bei der Taufe und als Totenwäsche) und jeder wusste, dass Eintauchen in heißem Wasser alle möglichen Krankheiten verursacht, war das tägliche Bad für Japaner eine Selbstverständlichkeit.

Öffentliche Bäder – onsen genannt – gibt es daher in fast jeder Ortschaft. Und wir versuchen, alle paar Tage auch eines zu besuchen, denn es ist einfach herrlich, nach einer knappen Stunde sauber, warm und entspannt wieder herauszukommen. Die Etikette ist dabei mittlerweile auch Ausländern bekannt: erst setzt man sich auf ein kleines Schemelchen vor einen Wasserhahn, füllt eine Schüssel mit warmen Wasser und schüttet sie sich über Kopf und Körper. Mit einem Waschlappen seift man sich gründlich ein, überschüttet sich wieder mit Wasser und wiederholt diese Prozedur bis man gründlich sauber ist. Erst dann – blitzsauber und seifenfrei – darf man in die heiße Wanne, die man sich mit allen anderen Badegästen teilt.

Trotz mittlerweile zwei Monate langer Übung können wir mit den Japanern allerdings nicht mithalten. Die Leidenschaft, mit der sie sich einseifen, ist unglaublich. Nicht selten sitzen sie schaumbedeckt auf ihrem Schemel, wenn wir das Bad betreten, und wenn wir nach einer knappen Stunde wieder herausgehen, sitzen sie da immer noch und seifen sich ein. Rasieren kann man sich dabei natürlich auch noch.

Fast immer sind die Bäder nach Männern und Frauen getrennt. Es gibt sie von nobel mit Seeblick bis heruntergekommen mit abblätterndem Putz, von hallenbadähnlichen Großanlagen bis zu kleinen sento, d.h. Becken, die mit drei Gästen schon voll sind. Das kleinste konnten Birgit und ich gemeinsam nutzen, denn wir hatten es für uns alleine. Es lag im Nebengebäude eines Restaurants und war für dort essende Gäste umsonst. Sehr nett.

Das große Problem wird für uns sein, uns die Bäder wieder abzugewöhnen, wenn wir Japan in ein paar Wochen verlassen und uns in Richtung Alaska aufmachen. Kalte Kübeldusche statt heißes Wannenbad? Brrrrrrr. Vor ein paar Tagen haben wir einen „Toys’R’Us“ besucht und dort ein aufblasbares Kinderplanschbecken gekauft, das in der Messe zwischen Niedergang und Tisch gerade so hereinpasst. Wenn dann der Holzofen bullert und wir dort einen Topf Seewasser heiß machen, können wir uns da vielleicht hineinsetzen und uns zumindest onsen-mäßig mit heißem Wasser übergießen. Mal sehen, ob sich das bewährt.

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