Bienvenido a Cuba

StrassenStuhl

Trova

Verkaeufer

Am ersten Abend haben wir in der Bar der Marina ein paar Segler kennen gelernt und dazu Kubaner, die mit ihnen beim Bier zusammen saßen. Die beiden jungen Männer sowie der Vater des einen sprechen gut Englisch mit den kanadischen und britischen Seglern, haben ihr Studium (Lehrer, Sprachen) aber unterbrochen, um was zu verdienen. Sie versuchen, mit Taxifahrten und Wäschewaschen, Stadtführungen, Gemüseverkauf ihren Lebensunterhalt aufzubessern, irgendwie zu bestreiten.

Ein Lehrer verdient 20 CUC, ein Arzt 40 CUC im Monat, erzählen sie uns. Eine Seife oder eine Dose Bier kosten aber schon 1 CUC. Das steht einfach in keinem Verhältnis zueinander? Wir packen unser Spanisch aus, und bleiben noch eine Weile mit ihnen im Gespräch, einer der jungen Männer wird recht deutlich und äußert offen seine Kritik an den Lebensumständen im Lande.

Wir bekommen damit schon einen ersten kleinen Einblick. Zwar haben wir darüber in dem Reiseführer schon gelesen, auch über die beiden Währungen, den Peso, der fast gar nichts mehr gilt (1:25) und den Convertible, den CUC, der 1:1 an den Dollar gebunden ist. Es aber direkt von den Leuten zu hören, ist was anderes?

Am nächsten Tag fahren wir nach Santiago de Cuba mit dem Taxi, die Marina liegt einige km außerhalb. Der Taxifahrer erzählt uns, diese Strecke werde Touristenstraße genannt, weil sie auch zu der benachbarten Burganlage führt, ein Unesco-Kulturerbe. Ich frage auf spanisch, ob das eine ?broma? sei, ein Witz, denn der Moskowitch keucht eine Schotterstraße hoch, umfährt unzählige Schlaglöcher, an manchen Stellen ist nur Einbahnstraße möglich. Aber nein, das ist ganz ernst gemeint.

Das Straßenbild in der zweitgrößten Stadt von Kuba ist so unglaublich kontrastreich: koloniale Bauten, schöne Plätze, gepflegte Parks, manche Häuser liebevoll und zugleich farblich geschmackvoll renoviert, andere ?under construction? mit schweren Gerüsten aus massivem Holz umstellt. Auf den Straßen knattern uralte Motorräder und verpesten die Luft, alte Automarken aus dem Ostblock, oder amerikanische Schlitten aus den 50ern, schön gestrichen, manche auf den zweiten Blick aber nur noch vom Rost zusammengehalten, die Federungen der Sitze durchgesessen. Dann ehemalige Viehtransporter umgebaut zu Bussen, die Leute wie Sardinen darin zusammengepfercht. Bicitaxis (Rikschas), Pferdekutschen bringen die Leute von den städtischen Busbahnhöfen zum Bahnhof. Von einem der Hauptplätze geht eine lange Straße ab mit Galerien, Musikcafés, staatliche Angestellte im Künstlerhaus, vier davon auf einen kaffeetrinkenden Gast.

Viehtransport

Auto

In den Läden ist das Angebot überschaubar, zwei Packungen Buntstifte, drei Stapel Seifen in einer Vitrine, dahinter die Verkäuferinnen. Dann ein paar Klamotten an den Wänden, Schuhe, wenig Auswahl, hier sind die Preise hoch, überwiegend muss man für die Waren den gleichen Preis wie in Europa zahlen. Dann wieder gibt es Läden, die wie amerikanische Warenlager im mittleren Westen aussehen, könnten als Filmkulissen herhalten, mit handgeschriebenen Preistafeln, wo man die Grundnahrungsmittel bekommt: Mehl, Bohnen, Reis, in Fässern und Säcken, in Peso-Preisen, also erschwinglich, aber das war es dann schon. Plastiktüten, Behälter muss man mitbringen.

Mir (Birgit) kommt an diesem ersten Tag im Lande Vieles davon so bekannt vor: die Mangelwirtschaft, in der jedes noch so kleine Stück aus der westlichen Warenwelt duftet und glänzt und begehrt ist. Ob diese Produkte, wie in Rumänien, ebenfalls zum Tauschen verwendet werden, oder als Zahlungsmittel/Währung eingesetzt, kann ich nicht sagen, dazu wissen wir noch zu wenig. Private Initiativen sind in Maßen erlaubt, in kleinen Schritten vollzieht sich der Wandel, staatlich gelenkt und stark eingeschränkt durch das wirtschaftliche Embargo, parallel scheint die Schattenwirtschaft schon längst auf Hochtouren zu laufen.
AltesPaar

Strassenmusik

Und trotzdem ist nicht alles grau, sondern richtig bunt, laut und lebhaft fröhlich. Überall in der Stadt auf den Plätzen gibt es Musik, Buena Vista Social Club für die Touristen, einzelne Geiger, Trommler. Dazu gibt es Musik in den Cafés, in Kulturhäusern, wie der ?Casa de la Trova?, einem kleinen stimmungsvollen Raum voller Fotos und Ölgemälden berühmter Musiker und Sänger, eine kleine Bühne, ein paar Stühle davor, grosse offene Türen, schon am Vormittag sitzt da ein älteres Ehepaar, sie singt Romanzen, er spielt Gitarre, Auftritte bis in den Abend hinein. Wir sitzen auch am Nachmittag kurz da und kommen mit zwei älteren Damen ins Gespräch, die am nächsten Tag singen werden, einem jüngeren Rastafari, der uns zu seinem Konzert einlädt und vorher noch mit uns in seine Lieblingskneipe gegenüber auf einen Mojito gehen möchte.
Es ist eine gänzlich andere Welt und wir freuen uns, dass wir ein paar Wochen Zeit dafür haben, das Land und die Menschen besser kennen zu lernen.

Noch haben wir kein Internetcafé gefunden, die Bilder dazu liefern wir hoffentlich in den nächsten Tagen nach.

Ein Gedanke zu „Bienvenido a Cuba

  1. Ich bin schon sehr gespannt auf Eure Bilder und weitere Schilderungen von Kuba! Denn wir planen für Mai (und damit leider gerade zu spät ums uns zu treffen) eine dreiwöchige Kuba-Rundreise. Viele Grüße & ich freue mich wie immer auf Eure Eindrücke, Florian

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