Wieder auf der Muktuk

Nieselregen draussen, drinnen köchelt eine Suppe auf dem Ofen, das Glas Wein zum Ende des Tagwerkes auf der Treppe, mit Abendsonne im Gesicht, fällt heute aus, dafür tippe ich den ersten Blogeintrag auf der Muktuk – der Alltag zieht so nach und nach ein auf dem Boot…

Seit einer Woche bin ich wieder in Spanien: in Galicien, in der „Ria de Arousa“ im Örtchen A Pobra do Caraminal, hier liegt Muktuk im Hafen.

Das Boot ist nun unser Zuhause. Mit allen unseren persönlichen Sachen, dem Werkzeug, allem Zubehör, den Vorräten. Und es fühlt sich immer mehr wie ein Zuhause an, wird täglich schöner.

Umzug

Andreas muss auf all das leider noch eine Weile warten. Noch arbeitet er weiter in München, ich konnte schon vier Wochen früher hierher zurück kommen.

Zwei Fragen, die mir während der drei Wochen in Deutschland gestellt wurden: was machst du den ganzen Tag, wenn du wieder auf dem Schiff bist? Nun, z.B. weiter Verschlüsse anschrauben und an Deck die Antirutsch-Schicht streichen. Arbeiten, die ich in meinem ersten Jahr als Lehrling und Hilfsarbeiter einigermassen beherrsche und die ich inzwischen auch sehr gerne tue. Immer wieder ueber den Fortgang der Arbeiten mit den Handwerkern beraten… Dann Einkaufen, Kochen, Aufräumen, Mittagessen mit den Freunden hier, Telefonieren, der Tag ist momentan viel zu schnell rum.

Die nächste Frage, ob ich nicht Angst habe, so alleine auf dem Boot? Nein, bisher nicht. Die Schiffe werden Tag und Nacht bewacht von den Marineros, die uns kennen, es ist ein kleiner überschaubarer Hafen. Einer der Marineros übernachtet sogar zwei Boote weiter. Täglich kommt mal ein deutsches, mal ein irisches oder britisches Boot im Hafen an, oder ankert in der Bucht vor dem schönen Sandstrand, zumeist Segler im Rentenalter. Die Saison läuft langsam an.

Schlafplatz

Tagsüber gleicht das Boot einer Baustelle, Holzspäne fliegen herum, die Sitzkissen in der Messe, das Bettzeug sind eingepackt in schwarze Plastiksäcke, auf dem Messetisch liegt ein altes Leintuch, auf dem schönen neuen Boden Teppichläufer, damit die Arbeitsschuhe ihm nichts anhaben können. Die Schreiner haben noch viele viele Kleinigkeiten zu tun, und es fallen uns täglich noch Sachen ein, die man ein- und anbauen könnte. Auch der Elektriker muss noch ein paar Kinderkrankheiten untersuchen und beseitigen.

Aber dazwischen suche ich mir immer wieder ein gemütliches Plätzchen, ich weiss ja, es wird nicht mehr allzu lange dauern, und dann kann das Boot nicht nur am Ende des Tages sondern endgültig vom Holzstaub befreit werden. Und abends und am Wochenende geniesse ich die Ruhe, das Schiff ganz alleine für mich zu haben. Und lasse mich insgesamt von der Fröhlichkeit und der Gelassenheit der Menschen hier in Galicien, in diesem Dörfchen anstecken.
MuktukAprMai2014 001Pobra14